Nael Hasan al-Lada, 12, Gaza
Nael Hasan al-Lada, ein zwölfjähriger Bub, legt die Schleifmaschine beiseite und spricht etwas lauter, um den Lärm der Drehbank zu übertönen. Er hat diesen Job in der Autospenglerei erst im Sommer angefangen, erzählt er, doch mit seinem Einkommen unterstützt er bereits die ganze neunköpfige Familie. Obwohl Nael lange Arbeitszeiten hat und die Arbeit mit den schweren Maschinen gefährlich ist, würde man ihn im armutsbetroffenen Gaza-Streifen als Glückspilz bezeichnen. Wenn er sich als Gehilfe bewährt, wird Nael vermutlich von der Schule abgehen und hundert Prozent arbeiten. «Ich möchte meinem Vater helfen», sagt er.
Kinderarbeit ist im Gaza-Streifen und auch auf der Westbank wieder steigend. Zwar ist Erwerbsarbeit für Kinder unter 15 Jahren gemäss Gesetz seit 2004 verboten. Doch die finanzielle Not zwingt Eltern dazu, ihren Kindern das Arbeiten und als Konsequenz häufig auch das Verlassen der Schule zu erlauben. Die Grenzen des Gaza-Streifens sind weitgehend geschlossen und der Export und Import von Gütern steht unter strenger Beschränkung. Seitdem Gaza unter Verschluss gehalten wird, ist die Arbeitslosenrate auf 44 Prozent gestiegen und die Anzahl von Armut betroffener Familien hat sich dramatisch erhöht. Heute leben mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in Armut. In Zahlen heisst das, dass weniger als 250 Dollar im Monat eine Familie mit bis zu neun Mitgliedern ernähren müssen.
Die 20 Dollar, die Nael wöchentlich verdient, reichen nicht aus, um seine Familie zu ernähren, sagt Nael. Doch sein Vater, der in Israel arbeitete, ist nun seit Jahren arbeitslos. Naels Einsatz in der Autospenglerei ist die einzige Hoffnung für die Grossfamlie. «Ich bin gut in der Schule», erzält Nael, der den Religionsunterricht mag und gerne später einmal in Kairo studieren würde. «Ich wünschte, wir hätten Geld, dann könnte ich in der Schule bleiben.»





