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Kinderschutz weltweit - eine Übersicht

A 13-year-old girl stands in the yard of the women's prison at Pétionville, a suburb of Port-au-Prince, the capital. Behind her stands a concrete wall, topped with barbed wire.  
 © UNICEF/NYHQ2005-1929/LeMoyne

 

Geburtenregistrierung

  • Rund 51 Millionen Kinder wurden bis 2007 nicht registriert, nahezu die Hälfte von ihnen in Südasien. Eins von vier Entwicklungsländern hat eine Geburtenregistrierungsrate von unter 50 Prozent.

  • Fast zwei von drei Kindern in Afrika südlich der Sahara und in Südasien wurden bis 2007 nicht registriert. In 8 Ländern (Somalia, Liberia, Afghanistan, Äthiopien, Tansania, Tschad, Sambia und Bangladesch) sind 10 Prozent oder weniger Kinder unter 5 Jahren registriert. Fortschritte wurden in Gambia, Laos und Vietnam erzielt.

  • Sind Kinder nicht registriert, haben sie keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten und zu Schulbildung und leiden unter Einschränkungen im Erwachsenenleben. Eine Altersangabe ist für Gesetzgebungen im Kinderschutz unerlässlich, z.B. um Kinder vor Rekrutierung als Soldaten, Kinderarbeit oder Frühehe zu schützen.

Gewalt gegen Kinder

  • Zuletzt hat die UN Studie zur Gewalt an Kindern (2006) eine umfassende Erhebung vorgelegt: Schätzungsweise werden zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Kinder jährlich Opfer von Gewalt.

Frühehen

  • Mehr als ein Drittel von jungen Frauen (20 bis 24 Jahre) in Entwicklungsländern gaben an, dass sie mit 18 Jahren bereits verheiratet oder liiert waren. Dieser Anteil ist in Südasien (46 Prozent) und in Afrika südlich der Sahara (39 Prozent) am höchsten.
  • Sechs Länder, in denen Kinderehen am meisten verbreitet sind und mehr als 60 Prozent der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren als Kinder verheiratet wurden: Zentralafrikanische Republik, Guinea, Bangladesch, Mali, Tschad, Niger

  • Ihr Leben ist fortan bestimmt von Arbeit, Armut und der Sorge ums Überleben ihrer Familie. Mädchen, die als Kinder verheiratet werden, sind ihrer elementarsten Rechte beraubt: des Rechtes auf Schutz, Gesundheit, Bildung, Spiel und Erholung.

  • In Bangladesch, Guinea und Nepal ist das Durchschnittsalter gestiegen, liegt jedoch noch immer unter 18 Jahren.

Mädchenbeschneidung

  • In vielen Ländern Zentral- und Westafrikas, aber auch in einigen Ländern des Mittleren Ostens und Südostasiens ist die weibliche Genitalverstümmelung weit verbreitet. In einigen Regionen sind über 98% der Frauen davon betroffen. In den letzten Jahrzehnten ist das Vorkommen von Mädchenbeschneidung leicht zurückgegangen. Weniger Mädchen wurden beschnitten, im Vergleich zu ihren Müttern. Noch immer werden weltweit jedes Jahr 3 Millionen Mädchen – zumeist in sehr jungem Alter – beschnitten.

  • Aufgabe der Praxis durch sozialen Wandel – in Ursprungsländern wie in Destinationsländern: In praktizierenden Gesellschaften ist Mädchenbeschneidung als soziale Norm zu betrachten. Sie ist Bedingung für die Ehe. Unbeschnittene Mädchen und Frauen gelten als unrein, sie riskieren aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Dies ist für sie und ihre Familien mit erheblichen Gefahren verbunden.

  • Durch Migration in andere Gesellschaften, in denen Mädchenbeschneidung weder praktiziert noch akzeptiert wird, kann es zur Aufgabe der Praxis kommen. Um jedoch innerhalb der Gemeinschaft zu heiraten, die eigene Herkunft zu unterstreichen oder im Hinblick auf eine eventuelle Rückkehr ins Heimatland, kann es für die Familien ebenso naheliegend erscheinen, die soziale Norm in der Diaspora fortzuführen.

  • Mädchenbeschneidung kann nur durch die praktizierenden Gemeinschaften selber und muss kollektiv überwunden werden.

  • Die verbesserte Datenlage in den letzten Jahren hat zu wichtigen Erkenntnissen geführt: Die Überwindung der Praxis ist möglich, wenn nur bestimmte soziale Gruppen die Mädchenbeschneidung praktizieren, und es besteht ein enger Zusammenhang zwischen ethnischer Zugehörigkeit und Mädchenbeschneidung: In den meisten Fällen praktiziert die gesamte ethnische Gruppe Mädchenbeschneidung, und nicht nur ein Teil davon. So ist es grundlegend, dass auf nationaler und auf Ebene der Gemeinschaften Massnahmen ergriffen werden.

Kinderarbeit

  • UNICEF schätzt, dass 150 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten müssen. Diese Schätzung beruht auf Daten aus 102 Ländern. Vor allem in Afrika südlich der Sahara ist Kinderarbeit sehr verbreitet: Mehr als ein Drittel der Kinder müssen in diesen Ländern arbeiten.

  • In Brasilien, Indien und Mexico kann ein Rückgang verzeichnet werden, in anderen Ländern ist die Situation unverändert oder sogar ein Anstieg zu beobachten.

  • Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass mehr als zwei Drittel der Kinderarbeiter in der Landwirtschaft arbeiten. In ländlichen Gegenden beginnen Kinder – vor allem Mädchen – bereits im Alter von 5-7 Jahren.

  • Armut ist sowohl Ursache als auch Auswirkung von Kinderarbeit: Kinder gehen später oder gar nicht zur Schule. Mädchen werden benachteiligt (Zugang zu Bildung ist beeinträchtigt) und sind einer dreifachen Belastung ausgesetzt, wenn sie zur Schule gehen, im Haushalt mithelfen und noch ausserhalb der Familie arbeiten müssen.

  • Definition von Kinderarbeit: Erstmals wurde unbezahlte Hausarbeit in die Definition von Kinderarbeit eingeschlossen.

  • In diesem Bereich hat sich die Datenlage in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert.

Sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von Kindern

  • Genauso wie bei Gewalt gegen Kinder ist die Datenerfassung eine grosse Herausforderung. Vermutlich sind Millionen Mädchen und Buben aller Altersgruppen und aus allen Ländern weltweit Opfer von sexueller Ausbeutung und Missbrauch.

  • Studien zeigen, dass Mädchen mehr betroffen sind als Buben.

  • Neben der traumatischen Belastung, gehen betroffene Kinder weniger oder nicht mehr zur Schule, sind einem höheren Risiko für körperliche Verletzungen, sexuell übertragbare Krankheiten, HIV/AIDS und ungewollter Schwangerschaft ausgesetzt, letzteres gilt insbesondere für Mädchen.

  • 131 Länder haben bis Mai 2009 das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention gegen Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie (Optional Protocol to the Convention on the Rights of the Child on the Sale of Children, Child Prostitution and Child Pornography) ratifiziert, so auch die Schweiz.

Kinderhandel

  • Schätzungen der US-Regierung gehen davon aus, dass weltweit pro Jahr nahezu 2,5 Millionen Personen Opfer von Menschenhändlern werden. Etwa eine Hälfte von ihnen sind Kinder, so die Internationale Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organisation).

  • Studien von UNODC, United Nations Office on Drugs and Crime, haben ergeben: mehr als 20 Prozent aller Opfer von Menschenhandel sind Kinder, innerhalb der Länder und grenzüberschreitend.

  • In Teilen Westafrikas, in der Mekong-Region in Ostasien und in einigen Ländern in Zentral- und Südamerika sind mehrheitlich Kinder Opfer von Menschenhandel.

  • 125 Länder hatten bis November 2008 eine spezifische Gesetzgebung zum Schutz vor Menschenhandel in Kraft gesetzt, jedoch nur 73 Länder haben mindestens eine Strafverfolgung durchgeführt.