Für Mädchen in Entwicklungsländern ist Bildung der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Mädchenbildung führt aber auch zu nachhaltiger Entwicklung der Gesellschaft. UNICEF Schweiz unterstützt seit 1997 Bildungsprogramme im indischen Teilstaat Uttar Pradesh mit grossem Erfolg. Und doch bleibt noch viel zu tun, bis alle Mädchen die Schulbank drücken.
Freiheit für Mädchen in Indien
Die Situation

Viele Mädchen in ländlichen Regionen Indiens brechen die Schule frühzeitig ab, weil sie zu Hause arbeiten müssen. Während ihre Brüder bevorzugt behandelt werden und Eltern in die Schulbildung ihrer Söhne investieren, müssen die Töchter auf dem Feld arbeiten, den Haushalt besorgen und sich um jüngere Geschwister kümmern. Viele Mädchen werden oft schon im Kindesalter verheiratet. Einmal verheiratet, gelten die Mädchen als Eigentum der Schwiegereltern, wo sie häufig als Arbeitskraft ausgebeutet werden.
Die von UNICEF initiierten Mädcheninternate, die sogenannten Girls Camps, sollen 11–14-jährigen Mädchen ermöglichen, die Grundschule innerhalb eines Jahres nachzuholen. Die Tatsache, dass die Mädchen in den Camps kostenlos verpflegt werden, ist ein wichtiger Motivationsgrund für die Eltern, ihre Töchter gehen zu lassen. Bereits über 30 000 Mädchen besuchten in den letzten Jahren dieses Bildungsangebot.
Das Programm hat weltweites Aufsehen erregt und gehört inzwischen zu den vier wichtigsten Bildungsinitiativen in Indien. Alle initiierten Dorfschulen gehen spätestens nach drei Jahren in die Verantwortung des Staates über.
Neues Pilotprojekt

Neu finanziert UNICEF Schweiz ein Pilotprojekt, das die Schulzeit in den Mädcheninternaten von einem auf drei Jahre ausdehnt. Ziel ist es, den Mädchen einen umfassenden Unterricht angedeihen zu lassen und eine zu frühe Verheiratung zu verhindern. Das durchschnittliche Heiratsalter hat sich zwar um drei Monate erhöht, doch viele Mädchen fürchten sich vor diesem Schritt mit rund 16 Jahren. Mit der Ausdehnung des Unterrichts werden sie rund 17 Jahre alt sein. Noch wichtiger aber wird sein, dass die Mädchen an Selbstvertrauen und Wissen gewinnen. Beides zusammen wird es ihnen ermöglichen, ihr Leben selbst an die Hand zu nehmen. Können die Ziele erreicht werden, wird das Bildungsministerium die Erfahrung auf alle 454 Schulen ausdehnen.
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