Aidswaisen in Ruanda
Wenn Kinder zugleich Mama und Papa sind
In Ruanda leben 11 Millionen Menschen, die Hälfte davon ist jünger als 18 Jahre. Jedes fünfte Kind in Ruanda ist verwaist, 800 000 leben ohne Eltern. Sie haben die Erfahrung gemacht, was es heisst, als Kind die Verantwortung für das eigene Überleben zu tragen.
Die Situation
HIV/Aids sowie die Folgen des Völkermordes von 1994 prägen noch immer den Alltag vieler Kinder und junger Erwachsener in Ruanda. Der ostafrikanische Staat verfügt weder über Industrie noch über nennenswerte Ressourcen. Waisenrenten gibt es nicht, denn ein Sozialversicherungssystem fehlt. 77 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Kinder helfen sich, in dem sie in sogenannten Kinderhaushalten zusammen leben – schätzungsweise 100'000 Kinder leben so. Die älteren Kinder schlüpfen dabei in die Rolle der Eltern, kümmern sich um die kleinen Geschwister, bestellen die Felder und machen den Haushalt. Diese Kinder werden viel zu früh zu einem Erwachsenenleben gezwungen - gehen häufig nicht zur Schule. Dies obwohl Ruanda seit 2009 eine 9-jährige Schulpflicht kennt und der Schulbesuch kostenlos ist.
19‘000 dieser Aidswaisen sind selber HIV-positiv. Sie wissen nicht, was HIV/Aids ist, dass sie das HI-Virus in sich tragen und wie man sich und andere davor schützt.
Nur gerade ein Viertel davon ist in medizinischer Behandlung. Dies hat fatale Folgen, denn zahlreiche Mädchen prostituieren sich, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Geschwister zu verdienen. Studien weisen darauf hin, dass sich in den letzten Jahren vor allem Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren infiziert haben.
Das Projekt
UNICEF Schweiz unterstützt seit 1998 die Programme zugunsten von Kinderhaushalten und Waisen in Ruanda. Dabei arbeitet UNICEF eng mit lokalen Nichtregierungsorganisationen und der Regierung zusammen.
Mütter-Mentorinnen
«Mütter-Mentorinnen» sind Frauen aus der Nachbarschaft, die regelmässig Kinder in Kinderhaushalten besuchen und sie in ihrem Alltag unterstützen. Von diesem Familienhilfemodell profitieren jährlich über 1200 Waisenkinder. Unterdessen hat die ruandische Regierung das erfolgreiche Modell in seinen nationalen Aktionsplan aufgenommen.
Hilfe zur Bekämpfung von HIV/AIDS
Im 2012 konzentriert sich UNICEF noch stärker auf die Aidsprävention. Dabei setzt UNICEF alles daran, die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind zu stoppen, in dem Schwangere Frauen und ihre Neugeborenen medizinische Unterstützung, vorsorgliche Aids-Tests und antiretrovirale Medikamente erhalten.
Zeitgleich verstärkte UNICEF die Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit unter jungen Leuten und Kinderprostituierten. In sogenannten Jugendgruppen sprechen freiwillige Helfer mit Kindern und Jugendlichen über ihre Probleme und klären sie über Menschenrechte, HIV und sonstige Gesundheitsthemen auf.
Spezielle Programme für Waisenkinder
Gemeinsam mit der lokalen Organisation Uyisenga N’Imanzi erreichte UNICEF im vergangenen Jahr 2000 Waisenkinder. Die Kinder erhielten psychosoziale und medizinische Betreuung, wurden bei der (Wieder-)Einschulung und in Alltagsfragen unterstützt.
Besonders hilfreich für die Jugendlichen waren die zehntägigen Feriencamps für 15 bis 21 Jährige. Während den zehn Tagen lernten sie den Umgang mit Mikrokrediten, wurden über HIV/Aids aufgeklärt, in ihren Rechten bestärkt und in ihren Traumata behandelt.
«Kinderfreundliche Schulen»
Kinderfreundliche Schulen bilden das Rückgrat für die Betreuung von Waisen und Kinderhaushalten. Mit Einführung der kostenlosen, neunjährigen Schulpflicht hat sich bereits viel verbessert. Leider scheiden noch zu viele Mädchen im Laufe dieser neuen Jahre aus der Schule aus, da sie zu Hause gebraucht werden. UNICEF Schweiz unterstützt Strategien, um dem entgegenzuwirken.
HELFEN AUCH SIE!
Helfen Sie UNICEF, Kinderhaushalte zu betreuen und zu begleiten und kinderfreundliche Schulen umzusetzen – werden Sie Projektpate/-patin!