Kinder auf der Flucht

Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht wie heute. Schätzungsweise 30 bis 34 Millionen Kinder sind aufgrund Migration oder Flucht entwurzelt. Das sind rund vier Mal so viele Kinder wie die Schweiz Einwohner hat. 

Kriege, Konflikte, Naturkatastrophen, Hunger, Wassermangel und Armut zwingen Mädchen und Buben weltweit mit oder ohne ihre Familien, ihr Zuhause zu verlassen, oft auf lebensgefährlichen Wegen. Was sie alle verbindet, ist die Hoffnung auf ein besseres Leben.

67 Prozent aller Vertriebenen weltweit kommen aus nur fünf Ländern, nämlich aus Syrien, Venezuela, Afghanistan, Südsudan und Myanmar. Flüchtlingskinder sind mehrfachen Gefahren ausgesetzt, wie Missbrauch, Vernachlässigung, Ausbeutung, Schutzlosigkeit in Flüchtlingshaftanstalten, Menschenhandel oder Rekrutierung durch das Militär. Ausserdem begegnet ihnen in den Transit- und Zielländern häufig Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Beispielsweise sind im Jahr 2021 Kinder an den EU-Aussengrenzen immer wieder in den Mittelpunkt politischer und grenzpolizeilicher Auseinandersetzungen geraten. Denn auf ihrer Flucht müssen sie unter entsetzlichen Bedingungen leben, werden zurückgedrängt (sogenannte Pushbacks) oder an den östlichen Grenzen festgehalten. Viele minderjährige Kinder werden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt und oft wird ihnen auch der Zugang zu Bildung verwehrt.

«Diese jungen Leben brauchen unsere Unterstützung - ob in ihrem Herkunftsland, auf der Durchreise, bei der Ankunft am Zielort oder bei der Rückkehr.» 

Henrietta Fore, UNICEF-Exekutivdirektorin

Die Covid-19-Pandemie hat ihre Lage weiter verschärft: Während die Welt die Pandemiebekämpfung und die Wiederaufbaumassnahmen beschleunigt, werden entwurzelte Kinder und ihre Gemeinschaften oft zurückgelassen, indem sie zum Beispiel von Impfprogrammen ausgeschlossen werden oder ihnen die Gesundheitsversorgung verweigert wird. 

Die Pandemie hat auch die Risiken erhöht, denen entwurzelte Kinder bereits vorher ausgesetzt waren. Während der Vertreibung und in Krisenzeiten steigt die Bedrohung durch Gewalt und negative Bewältigungsmechanismen wie Kinderheirat für Frauen und Mädchen deutlich an. Der durch die Pandemie verursachte wirtschaftliche Schock hat diese Bedrohungen weiter verstärkt.  

Kinder auf der Flucht brauchen deshalb unsere Hilfe mehr denn je!

Die Ursachen für Migration und Flucht sind vielfältig

  • Kriege: Eines von vier Kindern lebt heute in einem Konflikt- oder Katastrophengebiet. Über 30 Millionen Kinder wurden seit dem zweiten Weltkrieg durch gewalttätige Konflikte vertrieben. 
  • Naturkatastrophen:  Wetterereignisse und Naturkatastrophen nehmen zu. Mehr als eine halbe Milliarde Kinder leben heute in Überschwemmungsgebieten und fast 160 Millionen Kinde sind durch Dürre bedroht.
  • Armut:  Millionen Kinder leiden unter extremer Armut. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, denn Armut verhindert Bildung, Bildung aber verhindert Armut. Als Folge der Covid-19-Pandemie werden noch mehr Menschen von Armut betroffen sein. 

Schicksale von Kindern auf der Flucht

So hilft UNICEF Kindern auf der Flucht

Endlich wieder Kind sein und an einem sicheren Ort spielen und lernen dürfen – für Flüchtlingskinder ist das nicht selbstverständlich. Viele Kinder mit Fluchterfahrung sind stark traumatisiert. Besonders unbegleitete minderjährige Geflüchtete sind auf Hilfe angewiesen. Für UNICEF hat der Schutz der Kinder auf der Flucht oberste Priorität und arbeitet auf der ganzen Welt, um die Rechte von Migranten und Flüchtlingen in über 126 Ländern zu schützen.

  • Wir leisten Hilfe für Flüchtlingskinder vor Ort in den Krisenregionen und in den umliegenden Ländern.
  • In Notsituationen ist UNICEF als eine der ersten Organisationen vor Ort und liefert wichtige Hilfsgüter, bietet psychosoziale Betreuung und setzt sich dafür ein, dass die Kinder so rasch wie möglich zurück in die Normalität finden.
  • In von UNICEF eingerichteten kinderfreundlichen Zonen in den Flüchtlingslagern erhalten sie psychosoziale Unterstützung, um ihre Traumata zu verarbeiten und endlich wieder Kind sein zu können. Mütter können sich hier in einem geschützten Umfeld um ihre Neugeborenen kümmern. Zusätzlich werden hier getrennte Familien wieder zusammengeführt.
  • UNICEF setzt sich langfristig dafür ein, dass alle Regierungen kinderrechtskonforme, dauerhafte Lösungen finden, sodass Mädchen und Buben wieder Kind sein können und trotz schwierigen Bedingungen eine Zukunft haben.
     

Im Jahr 2020 hat UNICEF

  • über 3,2 Millionen Familien auf der Flucht mit Botschaften zur Covid-19-Prävention und Zugang zu Dienstleistungen erreicht;
  • über 2,6 Millionen Familien auf der Flucht mit Seife, Desinfektionsmittel und sauberem Wasser versorgen können;
  • 900 000 Kinder und Frauen auf der Flucht mit grundlegender medizinischer Versorgung, einschliesslich pränataler, geburtshilflicher und postnataler Versorgung erreicht;
  • 4 Millionen Kinder auf der Flucht Zugang zu Bildung ermöglicht;
  • und 2,3 Millionen Kinder auf der Flucht mit Lernmaterial ausgestattet.