Ob in der Schweiz, Europa oder vielen anderen Regionen der Welt: Hitzewellen werden häufiger, intensiver und dauern länger an. Seit mehr als einer Woche liegen die Temperaturen in Teilen der Schweiz bei über 30 Grad, vielerorts sogar deutlich darüber. Gerade jetzt, kurz vor den Sommerferien, stellt sich die Frage, wie gut Kinder vor extremer Hitze geschützt sind – zu Hause, auf Spielplätzen und in der Schule.
Was viele Erwachsene als unangenehme Begleiterscheinung des Sommers erleben, kann für Kinder erhebliche Folgen haben. Extreme Hitze belastet ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung. Sie kann aber auch ihre Konzentration und Lernfähigkeit beeinträchtigen. Für viele Kinder bedeutet die aktuelle Hitzewelle nicht nur schlaflose Nächte. Sie verbringen ihre Schul- und Freizeit in aufgeheizten Räumen und auf stark erhitzten Aussenflächen – oft ohne ausreichende Möglichkeiten, der Hitze zu entkommen.
Die aktuelle Hitzewelle reiht sich in einen weltweiten Trend zunehmender Klimaextreme ein. Der neue «Children’s Climate Risk Report 2026» von UNICEF zeigt, dass die Folgen der Klimakrise Kinder weltweit besonders hart treffen. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Risiken bis hin zu Beeinträchtigungen von Bildung und Entwicklung.
Die Klimakrise ist damit auch eine Kinderrechtskrise.
Fast jedes Kind ist betroffen
Die Auswirkungen der Klimakrise sind längst Realität – für Kinder auf der ganzen Welt. Besonders alarmierend: Rund 1,5 Milliarden Kinder sind Hitzewellen ausgesetzt.
Viele Kinder erleben zudem nicht nur eine einzelne Gefahr. Weltweit leben 1,1 Milliarden Kinder in Regionen, die von mindestens drei sich überlagernden Klimagefahren betroffen sind. Mehr als vier Millionen Kinder sind sogar sechs verschiedenen Klimagefahren gleichzeitig ausgesetzt. Die Zahlen sind alarmierend.
Die Folgen reichen weit über unmittelbare Gesundheitsrisiken hinaus. Klimabedingte Wetterextreme können den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Schutz beeinträchtigen. Kinder sind davon besonders betroffen, weil sie sich noch in einer entscheidenden Entwicklungsphase befinden und stärker auf funktionierende Gesundheits-, Bildungs- und Schutzsysteme angewiesen sind.
Während die Auswirkungen der Klimakrise weltweit spürbar sind, treffen sie Kinder nicht alle gleich. Alter, Wohnort, sozioökonomische Situation und der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen beeinflussen, wie gut Kinder geschützt sind und wie stark sie von den Folgen betroffen sind. Kinder erleben die Klimakrise nicht irgendwann in der Zukunft. Sie erleben sie jetzt.
Doch was bedeuten häufigere Hitzewellen für Kinder im Alltag – auf dem Spielplatz, zu Hause und in der Schule?
Warum Kinder besonders gefährdet sind
Kinder sind gegenüber extremer Hitze besonders verletzlich. Ihr Körper kann die Temperatur noch nicht so effizient regulieren wie jener von Erwachsenen. Hohe Temperaturen können zu Erschöpfung, Dehydrierung, Schlafproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten führen.
Besonders betroffen sind Kleinkinder, Kinder mit gesundheitlichen Vorbelastungen sowie Kinder, die nur begrenzten Zugang zu Schutzmöglichkeiten haben. Auch in der Schweiz zeigt sich diese Ungleichheit. Grünflächen, Bäume und Schattenplätze auf Spiel- und Aufenthaltsflächen sind wichtige Schutzfaktoren gegen Hitze. Doch nicht alle Kinder haben in ihrem Wohnumfeld denselben Zugang dazu.
Gerade während längerer Hitzeperioden und in den Schulferien können sich bestehende Ungleichheiten verstärken. Betreuung, Freizeitangebote und Möglichkeiten, sich vor extremer Hitze zu schützen, stehen nicht allen Familien gleichermassen zur Verfügung.
Wenn Hitze das Lernen erschwert
Kinder verbringen einen grossen Teil ihres Alltags in der Schule. Umso wichtiger ist es, dass sie dort in einer sicheren und gesunden Umgebung lernen können. Doch genau das wird durch häufigere und intensivere Hitzewellen zunehmend herausgefordert.
Hohe Temperaturen können Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernfähigkeit beeinträchtigen. Der neue UNICEF-Bericht bringt dies auf den Punkt: Hitzewellen beeinträchtigen das Lernen. Für Kinder bedeutet dies, dass sie dem Unterricht weniger gut folgen können, sich weniger gut konzentrieren und Lerninhalte schlechter aufnehmen können.
Die Auswirkungen von Wetterextremen sind bereits heute sichtbar. Allein im Jahr 2024 wurde die Schulbildung von mindestens 242 Millionen Schülerinnen und Schülern in 85 Ländern und Territorien durch klimabedingte Extremereignisse beeinträchtigt: Stürme zerstören Schulen, Überschwemmungen unterbrechen den Unterricht und Hitzewellen erschweren das Lernen.
Gleichzeitig zeigen die steigenden Temperaturen, dass viele Schulen nicht für die klimatischen Bedingungen ausgelegt sind, die wir heute erleben. Aufgeheizte Klassenzimmer, fehlende Beschattung und zu wenig Grünflächen können den Schulalltag zusätzlich belasten. Auch in der Schweiz stellt sich zunehmend die Frage, wie Schulen, Spielplätze und öffentliche Räume an häufigere Hitzewellen angepasst werden können. Entscheidend ist, dass alle Kinder Zugang zu sicheren und gesunden Lern- und Lebensräumen haben – unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrer sozialen Situation.
Was Kinder jetzt brauchen
Der Klimawandel ist längst Realität und seine Folgen sind weltweit spürbar. Umso wichtiger ist es, ihre Rechte und Bedürfnisse bei der Anpassung an den Klimawandel konsequent mitzudenken.
UNICEF fordert, dass Kinder in Klimapolitik und Anpassungsmassnahmen stärker berücksichtigt werden. Dazu gehören Investitionen in klimaresiliente Schulen, Gesundheitsdienste und soziale Sicherungssysteme, die Kinder auch bei häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen schützen.
Besonderes Augenmerk muss auf jene Kinder gelegt werden, die bereits heute einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Denn die Folgen der Klimakrise treffen nicht alle Kinder gleich.
Kinder und Jugendliche müssen zudem die Möglichkeit haben, bei Entscheidungen über ihre Zukunft mitzureden. Sie erleben die Auswirkungen der Klimakrise schon heute – und werden mit ihren Folgen am längsten leben. Werden sie einbezogen, sprechen sie sich häufig für mehr Grün, mehr Natur und mehr Schatten im öffentlichen Raum aus.
Kinder tragen am wenigsten zur Klimakrise bei. Gleichzeitig gehören sie zu denjenigen, die ihre Folgen am stärksten spüren. Die Klimakrise ist deshalb nicht nur eine Umweltfrage. Sie ist auch eine Frage der Kinderrechte.