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Die Klimakrise ist eine Kinderrechtskrise

Der Klimawandel und die Umweltverschmutzung sind die grossen Herausforderungen der heutigen Generationen. Sie bedrohen die Gesundheit, Ernährung, Bildung und Entwicklung sowie das Überleben und die Zukunft von allen Kindern weltweit. Deshalb müssen wir jetzt handeln!

Rekordhitze, Jahrhundertfluten, zerstörerische Wirbelstürme – solche Naturkatastrophen und klimabedingten Belastungen nehmen wir inzwischen als unsere neue Normalität hin. Ebenso eine hohe Luft- und Bodenverschmutzung oder das Aussterben von diversen Tier- und Pflanzenarten. Doch wir dürfen die Augen nicht vor den verheerenden Auswirkungen dieser Klimakrise verschliessen. Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Denn die Zukunft von Millionen von Kindern steht auf dem Spiel.

United Nations Headquarters 2018

«Der Klimawandel beeinträchtigt die Gesundheit [von Kindern]. Ihre Wohngegenden. Die Lebensmittel, die sie essen. Die Luft, die sie atmen. Jeden Aspekt ihrer Zukunft. Jeden Aspekt der Rechte, auf die sie Anspruch haben.» 

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore, August 2021

Kinder und Jugendliche sind am wenigsten für die globale Klimakrise verantwortlich – doch sie sind am stärksten davon betroffen. 

  • Sie sind körperlich verletzlicher. Giftige Substanzen wie Blei oder andere Formen der Verschmutzung beeinträchtigen ihre Entwicklung und treffen sie härter als Erwachsene. Auch sind sie weniger dazu in der Lage, Naturkatastrophen oder klimabedingte Belastungen wie Überschwemmungen, Dürreperioden, Unwetter und Hitzewellen auszuhalten und zu überleben. 
  • Sie haben gegenüber Erwachsenen ein höheres Risiko an Infektionskrankheiten (z.B. Malaria oder Dengue) zu sterben, die sich wegen des Klimawandels ausbreiten werden. 
  • Katastrophen und Krisen bringen sie in Situationen, die sie psychisch schädigen. Die Bedrohung ihrer Zukunft führt auch zu Gefühlen allgegenwärtiger Angst und Hoffnungslosigkeit. Durch Migration und Unruhen steigt auch das Risiko für Gewalt, Entführung und Kinderhandel.
  • Sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich – jede Entbehrung infolge der Klimakrise in jungen Jahren kann zu einem Leben voller verpasster Chancen führen.

aller Kinder weltweit

99%
sind bereits heute von mindestens einem Klimarisikofaktor betroffen.

Kinder weltweit

1 Mia.
sind durch die Auswirkungen des Klimawandels extrem stark gefährdet.

Fast jedes Kind (> 99%) auf der Erde ist heute mindestens einer Form von klima- und umweltbedingten Gefahren, Naturkatastrophen oder Belastungen wie Hitzewellen, Wasserknappheit oder Luftverschmutzung ausgesetzt. 850 Millionen Kinder - etwa ein Drittel aller Kinder weltweit - sind wegen des Klimawandels sogar extrem stark gefährdet. Sie sind oft gleich mehreren Belastungen ausgesetzt und müssen in einer Umgebung aufwachsen, die es unglaublich schwer für sie macht zu leben, zu spielen und zu gedeihen. Unser Planet wird ein immer gefährlicherer Ort zum Leben für unsere Kinder.

Die Klimakrise passiert jetzt. Wir müssen diese als reale, aktuelle und akute Krise anerkennen. Wenn wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen einen belebbaren Planeten hinterlassen wollen, müssen wir jetzt entschieden handeln. 

Langfristig ist die einzige Lösung, um den Klimawandel zu stoppen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Es gibt jedoch auch diverse Massnahmen, die wir ergreifen können, um die Auswirkungen der Klimakrise auf Kinder und ihre Familien zu verringern und ihre Widerstandskraft zu stärken.

So können Investitionen in Bildung, einen verbesserten Zugang zu Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Dienstleistungen (WASH), Gesundheits-, Ernährungs- und Sozialdienste oder grundsätzlich die Verringerung von Armut einen grossen Teil dazu beitragen, das Klimarisiko für Kinder zu verringern und ihre Resilienz zu fördern.

UNICEF fördert weltweit innovative Ideen, die Klimaresilienz, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung miteinander verbinden. Wir setzen uns dafür ein, dass junge Menschen Teil der Lösung für die Klimakrise sind.

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Schmutziges Trinkwasser ist für viele Kinder in Malawi Alltag. Weil sie davon krank werden, können sie oftmals nicht zur Schule gehen. UNICEF installiert Solarpumpen, die tieferliegendes und somit sauberes Grundwasser erreichen.
Schulhaus aus Kunststoffziegeln, Elfenbeinküste
An der Elfenbeinküste unterstützt UNICEF das Projekt von Conceptos Plasticos. Kunststoffabfälle werden recyclet und zu Plastik-Ziegeln verarbeitet. Aus diesen wiederum werden Schulen gebaut.
UN-Klimakonferenz 2019 in Spanien
Rund um den Globus setzt sich UNICEF dafür ein, dass junge Klimaaktivisten/-innen wie Nkosilathi aus Simbabwe gehört werden. Nkosilathi nahm 2019 an einer Podiumsdiskussion während der COP25 in Spanien teil.
Luftverschmutzung in Ulaanbaatar, Mongolei
In der Mongolei stellt die Luftverschmutzung ein ernstes Problem für Kinder dar. In den Aussenbezirken von Ulaanbaatar sammeln Jugendliche mit Hilfe eines von UNICEF zur Verfügung gestellten Luftqualität-Messgeräts Daten zur Luftverschmutzung.
Schüler in Vietnam
In Vietnam unterstützt UNICEF Jugendliche dabei, klimafreundliche Lösungen wie «Urban Gardening» zu entwickeln und umzusetzen. Schon im Grundschulalter werden Schüler/-innen spielerisch an die Themen Klima- und Umweltschutz herangeführt.
Solaranlage im Jemen
Durch den Konflikt im Jemen wurden ganze Wasser- und Abwassersysteme des Landes zerstört. Zur Verbesserung der Wasserversorgung hat UNICEF im Jemen 20 grosse Solarparks in fünf urbanen Regionen entwickelt, mit denen insgesamt 1,3 Millionen Menschen versorgt werden können.
Madagaskar, 2021
In Madagaskar wird UNICEF ökologische und klimafreundliche Dörfer bauen, um das Leben von Kindern und ihren Gemeinden nachhaltig zu verbessern. Jedes Dorf soll mit einer Strom- und Wasserversorgung ausgestattet werden, die sich aus erneuerbaren Energien speist, sowie mit nachhaltigen Sanitärsystemen und Internetzugang für Schulen und Gemeinden.
Drohnen in Malawi, 2020
Bereits in vier Ländern setzt UNICEF teilweise Drohnen ein, die Daten liefern können, mit denen unter anderem schneller und zielgerichteter auf klimabedingte Veränderungen reagiert werden kann oder diese sogar zum Teil vorhergesehen werden können.
Bangladesch, 2020
In Bangladesch setzt UNICEF Nothilfemassnahmen sowie klimaresistente Programme im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene um, mit dem Ziel, nachhaltige Neuerungen und Verbesserungen bereits in Notsituationen zu etablieren. So können klimabedingten Herausforderungen wie dem Anstieg des Meeresspiegels und Salzwasserintrusion begegnet werden.

UNICEF setzt sich ausserdem zusammen mit Partnern, der Politik und Unternehmen dafür ein, dass:

Die Welt und ihre Kinder werden heute und in der Zukunft mit den katastrophalen Folgen des Klimawandels leben müssen, wenn wir nicht unmittelbar die Treibhausgas-Emissionen reduzieren – bis hin zu Netto-Null-Emissionen im Jahr 2050. Hierfür braucht es jetzt ambitionierte Zwischenziele und entschiedenes Handeln, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen – für jedes Kind.

Es braucht dringend mehr Investitionen in Massnahmen zur Klimaanpassung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Kindern und der Gemeinschaft, in der sie leben. Dazu gehört auch die Erfüllung des globalen Klimafinanzierungsziels von 100 Milliarden US-Dollar. Zentrale Dienstleistungen wie die Wasser- und Sanitärversorgung müssen hierfür in nationalen Anpassungspläne integriert und resiliente Gesundheits-, Bildungs- und soziale Sicherungssysteme sowie der Bereich der Katastrophenvorsorge verstärkt gefördert werden.

Kinder und Jugendliche werden bei klimapolitischen Verhandlungen zu wenig miteinbezogen. Dies schränkt ihre Möglichkeiten ein, Entscheidungen zu beeinflussen, die für ihre Zukunft entscheidend sind, und hilft ihnen nicht dabei, die Welt zu gestalten, die sie erben werden. Klima und Umwelt müssen ein fester Bestandteil ihres Bildungsweges und ihrer Förderung von Kindesalter an sein. 


Der englischsprachige Klimarisiko-Index für Kinder, steht hier zum Download bereit.