Eine neue Studie gibt wichtige Einblicke in das kollektive Unbehagen, das Jugendliche und junge Erwachsene in der Schweiz angesichts des aktuellen Zustands der Welt empfinden. Neben der Herausforderung durch das anhaltende Stigma rund um psychische Gesundheit und die unzureichenden Unterstützungsangebote zeigt die Studie, dass junge Erwachsene nicht nur sensibel für die Problematik der psychischen Gesundheit sind, sondern auch aktiv Verantwortung übernehmen wollen.
Die Studie «Understanding the Mental Health - Impact of Global Challenges on Gen Z» durchgeführt von der Global Coalition for Youth Mental Health, einer von UNICEF geführten Partnerschaftsinitiative mit dem Privatsektor, basiert auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 5 600 Personen der Generation Z im Alter von 14 bis 25 Jahren in sieben Ländern (Japan, Malaysia, Mexiko, Südafrika, Schweiz, UK, USA). In der Schweiz wurden dafür in einer landesweiten Stichprobe 400 Personen im Alter von 14 bis 25 befragt. Die Studie beleuchtet die Auswirkungen permanenter globaler Krisen auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsen. Neben der Herausforderung durch das anhaltende Stigma und die mangelnden Massnahmen zeigt die Studie, dass junge Erwachsene Verantwortung übernehmen wollen.
Die Kernaussagen der Studie für die Schweiz sind:
- Überwältigt von globalen Ereignissen: 52 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz fühlen sich durch Nachrichten von Krisen in ihrer Community, in ihrem Land und der Welt überfordert. Dies verdeutlicht die psychische Belastung durch Permakrisen, die mit einer häufigen Konfrontation mit globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, Konflikten und wirtschaftlicher Unsicherheit einhergehen.
- Anhaltendes Stigma rund um psychische Gesundheit: 42 Prozent der Befragten glauben, dass es in Schulen negative Ansichten oder Vorurteile gegenüber Menschen gibt, die über ihre psychische Gesundheit sprechen. Ebenso nehmen 44 Prozent ein Stigma am Arbeitsplatz wahr.
- Begrenzte Kenntnisse über Ressourcen: Nur 43 Prozent der Befragten wissen, wo sie Unterstützung und Hilfsangebote für ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden finden können, was signifikante Lücken im Zugang zu Unterstützungssystemen aufzeigt.
- Ungenügende Massnahmen gegen die Belastung: Nur 42 Prozent der Befragten empfinden die Massnahmen und Aktivitäten, die sie zur Bewältigung von Stress, Angst oder Überforderung ergreifen, als wirksam.
- Aktive Rolle von Schulen und Unternehmen: 70 Prozent der Befragten glauben, dass Schulen eine führende Rolle bei der Unterstützung der psychischen Gesundheitsbemühungen spielen sollten, während 54 Prozent der Meinung sind, dass die Unternehmen diese Herausforderungen angehen sollten.
- Die Generation Z will Verantwortung übernehmen: 69 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sie eine Rolle dabei spielen sollten, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei zu helfen, mit den Auswirkungen von Stress, Angst oder Überforderung durch Nachrichten von Krisen umzugehen. Ein Drittel ist der Ansicht, dass sie dabei eine führende Rolle übernehmen sollten.
«Psychische Gesundheit muss entstigmatisiert werden. Das gelingt nur, wenn wir als Gesellschaft den Mut haben, offen über unsere Gefühle zu sprechen. Dafür ist umfassende Aufklärungsarbeit erforderlich – von der Schule bis zum Arbeitsplatz, sagt Nicole Hinder, Bereichsleiterin Child Rights Advocacy, UNICEF Schweiz und Liechtenstein. Schulen, Unternehmen und Politik in der Schweiz seien dabei gleichermassen in der Verantwortung, Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten», «Zentral ist, dass junge Menschen mitgestalten wollen und wir sie konsequent einbinden müssen. Nur wenn Angebote gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt werden, sind sie wirkungsvoll. Deshalb fordern wir, dass Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit partizipativ gestaltet und die Hürden, sich Hilfe zu suchen, abgebaut werden. Und die jungen Menschen die Unterstützung erhalten, die sie wirklich benötigen», so Nicole Hinder.
Appell zum Handeln
UNICEF lädt Unternehmen in der Schweiz ein, der Global Coaliton for Youth Mental Health beizutreten.Durch die Umsetzung von Erkenntnissen in konkrete Massnahmen können Mitglieder Programme unterstützen, die Stigmatisierung abbauen, den Zugang zu Hilfsangeboten psychische Gesundheit verbessern und Aufklärungsarbeit stärken. Gemeinsam schaffen wir eine Zukunft, in der junge Menschen die nötigen Ressourcen und Chancen erhalten, ihre psychische Gesundheit zu stärken.
Die Studie: «Understanding the Mental Health - Impact of Global Challenges on Gen Z» steht hier zum Download bereit.