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Kampf gegen Kinderarmut: Fortschritte kommen weltweit zum Stillstand

Mehr als 400 Millionen Kinder weltweit leben in Armut. Ein neuer UNICEF-Bericht warnt: Immer mehr Kinder drohen in Armut zu geraten, da globale Budgetkürzungen, Konflikte und der Klimawandel den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen für Gesundheit und Wohlbefinden gefährden.

Ein Kind steht neben einer Frau

Mehr als jedes fünfte Kind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen – insgesamt 417 Millionen – ist in mindestens zwei lebenswichtigen Bereichen, die für ihre Gesundheit, Entwicklung und ihr Wohlbefinden entscheidend sind, stark benachteiligt. Dies geht aus dem heute zum Tag der Kinderrechte veröffentlichten Flagship Report von UNICEF hervor.

Der «State of the World’s Children 2025: Ending Child Poverty – Our Shared Imperative» stützt sich auf Daten aus über 130 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, um das Ausmass multidimensionaler Armut zu erfassen. Gemessen werden Benachteiligungen in sechs Kategorien: Bildung, Gesundheit, Wohnsituation, Ernährung, sanitäre Einrichtungen sowie Wasser. Die Analyse zeigt, dass 118 Millionen Kinder unter drei oder mehr Benachteiligungen leiden, und 17 Millionen in vier oder mehr Bereichen stark eingeschränkt sind.

«Kinder, die in Armut aufwachsen und denen es an grundlegenden Dingen wie guter Ernährung, angemessenen sanitären Einrichtungen und einer sicheren Unterkunft mangelt, leiden unter verheerenden Folgen für ihre Gesundheit und Entwicklung», sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. «Es muss nicht so sein. Wenn Regierungen sich dazu verpflichten, die Kinderarmut zu beenden und wirksame politische Massnahmen umzusetzen, können sie eine Welt voller Möglichkeiten für Kinder eröffnen.»

Die höchsten Raten multidimensionaler Armut sind in Subsahara-Afrika und Südasien zu verzeichnen. In Tschad beispielsweise sind 64 Prozent der Kinder in zwei oder mehr Bereichen stark benachteiligt, und knapp 25 Prozent in drei oder mehr Bereichen.

Sanitäre Einrichtungen sind die am weitesten verbreitete Form schwerer Benachteiligung: 65 Prozent der Kinder in Ländern mit niedrigem Einkommen haben keinen Zugang zu einer Toilette, 26 Prozent in Ländern mit niedrigerem mittlerem Einkommen und 11 Prozent in Ländern mit höherem mittlerem Einkommen. Ein Mangel an angemessenen sanitären Einrichtungen erhöht zudem das Risiko, Krankheiten ausgesetzt zu sein.

Der Anteil der Kinder, die in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen unter einer oder mehreren schweren Benachteiligungen leiden, sank zwischen 2013 und 2023 von 51 Prozent auf 41 Prozent – vor allem, weil Kinderrechte in der nationalen Politik und Wirtschaftsplanung stärker priorisiert wurden. Doch der Fortschritt kommt ins Stocken. Konflikte, Klima- und Umweltkrisen, demografische Veränderungen, steigende Staatsverschuldung und wachsende technologische Ungleichheiten verschärfen die Armut. Gleichzeitig drohen beispiellose Kürzungen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit die Benachteiligung von Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiter zu vertiefen.

Dennoch ist Fortschritt möglich. So verzeichnete Tansania zwischen 2000 und 2023 einen Rückgang der multidimensionalen Kinderarmut um 46 Prozentpunkte – teilweise dank staatlicher Zuschüsse und direkter Geldleistungen, die ärmere Haushalte finanziell stärken. In Bangladesch sank die Kinderarmut im gleichen Zeitraum um 32 Prozentpunkte, unter anderem aufgrund staatlicher Initiativen zur Verbesserung des Bildungs- und Stromzugangs, der Wohnqualität sowie Investitionen in Wasser- und Sanitärversorgung, die die offene Defäkation von 17 Prozent im Jahr 2000 auf null im Jahr 2022 reduzierten.

Armut beeinträchtigt die Gesundheit, Entwicklung und Lernfähigkeit von Kindern – und führt zu schlechteren Berufschancen, kürzerer Lebenserwartung sowie höheren Raten von Depressionen und Angstzuständen. Der Bericht zeigt, dass besonders kleine Kinder, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder in Krisensituationen besonders gefährdet sind.

Der Bericht untersucht zudem die monetäre Armut, die den Zugang zu Nahrung, Bildung und Gesundheitsdiensten weiter einschränkt. Laut aktuellen Daten leben mehr als 19 Prozent der Kinder weltweit in extremer monetärer Armut – das heisst, sie müssen mit weniger als 3 US-Dollar pro Tag auskommen. Fast 90 Prozent dieser Kinder leben in Subsahara-Afrika und Südasien.

Die Analyse zu 37 Ländern mit hohem Einkommen zeigt, dass rund 50 Millionen Kinder – also 23 Prozent der dortigen Kinder – in relativer monetärer Armut leben. Das bedeutet, dass ihre Haushalte deutlich weniger Einkommen haben als der Grossteil der Bevölkerung, was ihre volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränken kann.

Während die Armut in diesen 37 Ländern zwischen 2013 und 2023 im Durchschnitt um 2.5 Prozent zurückging, stagnierte der Fortschritt vielerorts oder kehrte sich sogar um. In Frankreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich etwa stieg die Kinderarmut um über 20 Prozent. Slowenien hingegen reduzierte im gleichen Zeitraum seine Armutsquote um mehr als ein Viertel – dank eines starken Systems von Familienleistungen und gesetzlich festgelegten Mindestlöhnen.

The State of the World’s Children 2025 zeigt, dass die Beendigung der Kinderarmut möglich ist, und betont die Bedeutung, Kinderrechte – wie in der UN-Kinderrechtskonvention verankert – in den Mittelpunkt aller Strategien, Politiken und Massnahmen zur Armutsbekämpfung zu stellen, indem:

  • die Beendigung der Kinderarmut zur nationalen Priorität gemacht wird;
  • die Bedürfnisse von Kindern in wirtschaftspolitische Entscheidungen und Haushaltsplanungen integriert werden;
  • Sozialschutzprogramme bereitgestellt werden, einschliesslich finanzieller Unterstützung für Familien;
  • der Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Wasser, sanitären Einrichtungen, Ernährung und Wohnen ausgebaut wird;
  • menschenwürdige Arbeit für Eltern und Betreuungspersonen gefördert wird, um ihre wirtschaftliche Sicherheit zu stärken – ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen von Kindern.

Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem viele Regierungen weltweit ihre Auslandshilfe reduzieren. Laut The Lancet könnten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit bis 2030 zum Tod von 4.5 Millionen Kindern unter fünf Jahren führen. Gleichzeitig zeigen aktuelle UNICEF-Schätzungen, dass die Kürzungen bis nächstes Jahr sechs Millionen weitere Kinder vom Schulbesuch ausschliessen könnten.

«Schon vor der globalen Finanzierungskrise waren viel zu viele Kinder ihrer Grundbedürfnisse beraubt – und nun droht die Situation erheblich schlimmer zu werden», sagte Russell. «Dies ist nicht der Moment, um sich zurückzuziehen. Jetzt gilt es, auf den über Jahre erzielten Fortschritten aufzubauen. Regierungen und Unternehmen können dazu beitragen, indem sie Investitionen in zentrale Dienstleistungen für Kinder stärken – damit sie gesund und geschützt aufwachsen – und sicherstellen, dass sie Zugang zu elementaren Dingen wie guter Ernährung haben, insbesondere in fragilen und humanitären Kontexten. Investitionen in Kinder schaffen eine gesündere und friedlichere Welt – für alle.»