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Finanzierungskürzungen bringen Kinder in Krisen in Lebensgefahr

Zunehmende Konflikte, wachsender Hunger, globale Finanzierungskürzungen und der Zusammenbruch grundlegender Dienste treiben den humanitären Bedarf von Kindern weltweit auf ein Extremniveau. 

© UNICEF/UNI896520/Jamal

UNICEF lanciert heute den Appell «Humanitarian Action for Children 2026» (HAC). Dafür werden dringend 7,66 Milliarden US-Dollar benötigt. Damit soll im nächsten Jahr 73 Millionen Kindern geholfen werden. Dazu gehören 37 Millionen Mädchen und über 9 Millionen Kinder mit Behinderungen. Die Hilfe ist für 133 Länder und Territorien geplant.

In allen Regionen erleben Kinder in Notlagen mehrere Krisen gleichzeitig. Diese Krisen werden grösser und komplexer.
Eskalierende Konflikte führen zu massiver Vertreibung. Sie setzen Kinder schweren Verstössen aus, so häufig wie nie zuvor. Angriffe auf Schulen und Spitäler gehen unvermindert weiter. Gleichzeitig nehmen verifizierte Fälle von Vergewaltigung und anderer sexualisierter Gewalt gegen Kinder stark zu. In vielen Krisen werden Kinder und Helfende, die Kinder erreichen wollen. gezielt angegriffen.

«Überall auf der Welt stehen Kinder, die von Konflikten, Katastrophen, Vertreibung und wirtschaftlichen Turbulenzen betroffen sind, weiterhin vor aussergewöhnlichen Herausforderungen», sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. «Ihr Leben wird von Kräften geprägt, die weit ausserhalb ihrer Kontrolle liegen. Dazu gehören Gewalt, die Gefahr einer Hungersnot, sich verschärfende Klimaschocks und der Zusammenbruch essenzieller Dienste.»

Finanzierungskrise trifft Nothilfe für Kinder

Das globale Umfeld für humanitäre Finanzierung hat sich 2025 dramatisch verschlechtert. Von Geberregierungen angekündigte und erwartete Kürzungen schränken UNICEFs Fähigkeit bereits ein. UNICEF kann dadurch Millionen Kinder in grösster Not nicht mehr wie nötig erreichen. Schwere Finanzierungslücken in den Jahren 2024 und 2025 zwingen UNICEF zu unmöglichen Entscheidungen. 

Allein im Bereich der Ernährung gab es 2025 eine Finanzierungslücke von 72 Prozent. Das führte in 20 Schwerpunktländern zu Kürzungen. Die geplanten Zielzahlen wurden von über 42 Millionen auf über 27 Millionen Frauen und Kinder reduziert.

In der Bildung fehlt ein Betrag von 745 Millionen US-Dollar. Dadurch sind Millionen weitere Kinder gefährdet, den Zugang zu Lernen zu verlieren. Damit verlieren sie gleichzeitig auch Schutz und Stabilität.

Im Kinderschutz steigen die Verstösse, während die Ressourcen schrumpfen. Das bedroht Programme für Überlebende sexualisierter Gewalt. Es gefährdet auch Unterstützung für Kinder, die von bewaffneten Gruppen rekrutiert oder eingesetzt wurden. Zudem stehen Angebote für psychische Gesundheit und psychosoziale Hilfe unter Druck.

«Schwere Finanzierungslücken setzen UNICEFs lebensrettende Programme enorm unter Druck», sagte Russell. «Teams an vorderster Front müssen unmögliche Entscheidungen treffen. Sie konzentrieren begrenzte Vorräte und Dienste auf einige Orte statt auf andere. Sie müssen die Häufigkeit von Leistungen verringern. Oder sie fahren Massnahmen zurück, die Kinder zum Überleben brauchen.»

Gleichzeitig wird der humanitäre Zugang in einem Ausmass eingeschränkt, wie es in den letzten Jahren nicht zu beobachten war. In vielen Nothilfen können UNICEF und Partner die Kinder nicht erreichen. Diese sind hinter sich verschiebenden Frontlinien eingeschlossen. Darum ist kontinuierliche humanitäre Diplomatie unverzichtbar. Sie soll Zugang sichern und Kinder vor zunehmenden Verstössen schützen.

UNICEF warnt: 

2026 werden mehr als 200 Millionen Kinder humanitäre Hilfe benötigen. Viele leben in langanhaltenden Krisen. Ganze Generationen sind dadurch gefährdet. Sie drohen unterernährt zu sein. Sie können Bildung verlieren. Sie sind stärker Krankheitsausbrüchen ausgesetzt. Und sie verlieren Sicherheit und Stabilität.

Trotz dieser Herausforderungen passt UNICEF seine humanitäre Arbeit an. UNICEF will auch in einer sich wandelnden humanitären Landschaft wirksam bleiben. Dabei stützt sich UNICEF auf Kinderrechte und die «Core Commitments for Children in Humanitarian Action». Diese Leitlinien bestimmen die Hilfe. Dazu gehören:

  • Priorisierung lebensrettender Massnahmen mit der grössten Wirkung.
  • Stärkung von Partnerschaften mit Regierungen und lokalen Akteuren.
  • Investition in Vorsorge, Risikoanalyse und antizipatorisches Handeln.
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit nationaler Systeme. Zudem Verstärkung der humanitären Diplomatie. 

«Die aktuelle globale Finanzierungskrise spiegelt keinen Rückgang des humanitären Bedarfs wider», sagte Russell. «Sie zeigt eine wachsende Lücke zwischen dem Ausmass des Leids und den verfügbaren Ressourcen. UNICEF passt sich an diese neue Realität an. Aber Kinder bezahlen bereits den Preis schrumpfender humanitärer Budgets.»
UNICEF fordert nationale Regierungen, öffentliche Geber und Partner aus dem Privatsektor zu mehr Investitionen in Kinder auf. Priorität haben flexible und mehrjährige Finanzierung. Ebenso wichtig sind lokal geführte Reaktionen und starke nationale Systeme. UNICEF fordert zudem die Wahrung humanitärer Prinzipien und die zentrale Bedeutung von Schutz. Und UNICEF verlangt, Hürden abzubauen, die humanitären Zugang behindern.