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Psychische Gesundheit junger Menschen: Was schützt, was gefährdet?

Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Unsere neue Literaturübersicht zeigt den aktuellen Forschungsstand, weist auf wichtige Lücken hin und formuliert zentrale Empfehlungen für die weitere Forschung.

Hannah Locher
Hannah Locher
Mehrere Kinder schauen in die Kamera

Die psychische Belastung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat in den letzten Jahren sowohl in der Schweiz als auch international deutlich zugenommen. Vor diesem Hintergrund gab UNICEF Schweiz und Liechtenstein bei der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften (ZHAW) eine Literaturübersicht in Auftrag. Ziel war es, den aktuellen Forschungsstand zu Risiko- und Schutzfaktoren der psychischen Gesundheit von jungen Menschen im Alter von 6 bis 24 Jahren systematisch zusammenzutragen und darauf aufbauend konkrete Empfehlungen für zukünftige wissenschaftliche Studien zu formulieren. 
Die Literaturübersicht berücksichtigt sowohl internationale Studien als auch Schweizer Forschung. Sie wurde bewusst breit und ergebnisoffen angelegt, um das gesamte Spektrum relevanter Einflussfaktoren zu erfassen. Gleichzeitig legt der Bericht einen besonderen Schwerpunkt auf Depressions- und Angstsymptome, da diese in der Altersgruppe von 6 bis 24 Jahren besonders häufig auftreten und weltweit zunehmen.

Erkenntnisse und Empfehlungen

Die Literaturübersicht zeigt, dass die psychische Gesundheit junger Menschen von unterschiedlichen Einflussfaktoren geprägt wird. Häufig untersucht sind individuelle Aspekte wie Schlaf, Bewegung, Mediennutzung oder psychologische Merkmale sowie familiäre Bedingungen, die sowohl belastend als auch schützend wirken können. Auch das soziale Umfeld, insbesondere Peers, Unterstützung, Mobbing und schulischer Druck, spielt eine zentrale Rolle.

Strukturelle und gesellschaftliche Einflüsse wie Umweltbedingungen, Diskriminierung oder soziale Ungleichheit werden zunehmend berücksichtigt, sind jedoch deutlich weniger erforscht. Zudem richtet sich die Forschung überwiegend auf negative psychische Outcomes, während positive Aspekte wie Wohlbefinden oder Resilienz sowie intersektionale Perspektiven bislang nur am Rand erscheinen.

Insgesamt zeigt sich, dass trotz vieler vorhandener Erkenntnisse wichtige Fragen unerforscht bleiben. Die folgenden Empfehlungen setzen genau hier an und benennen mögliche Schwerpunkte für zukünftige Forschung.

  1. Ein langfristiges Monitoring aufbauen

Die Schweiz verfügt bisher über kein regelmässiges landesweites Monitoring zur psychischen Gesundheit junger Menschen. Ein solches System würde Trends früh sichtbar machen und politische Entscheidungen unterstützen.

  1. Partizipation junger Menschen stärken

Kinder und Jugendliche sollten stärker in die Forschungsprozesse einbezogen werden – nicht nur als Studienteilnehmende, sondern auch bei der Entwicklung von Fragen und der Interpretation von Ergebnissen.

  1. Vulnerable Gruppen systematisch erforschen

Armutsbetroffene Kinder, junge Geflüchtete, LGBTQ+-Jugendliche oder Kinder mit Care-Verantwortung werden selten untersucht trotz erhöhter Risiken. Ihre Lebensrealitäten sollten stärker in den Mittelpunkt künftiger Forschung rücken.

  1. Forschung zu jüngeren Kindern ausbauen

Für Kinder unter zehn Jahren fehlen bisher wichtige Erkenntnisse, obwohl diese Lebensphase entscheidend für die psychische Entwicklung ist. Zukünftige Studien sollten diese Altersgruppe gezielt einbeziehen.

  1. Positive psychische Gesundheit stärker berücksichtigen

Studien konzentrieren sich oft auf Belastungen. Aspekte wie psychisches Wohlbefinden, Resilienz oder Zugehörigkeit sollten ebenfalls systematisch erfasst werden.

  1. Strukturelle und soziale Einflussfaktoren stärker in den Blick nehmen

Nicht nur individuelles Verhalten, sondern auch familiäre, schulische, soziale und strukturelle Faktoren prägen die psychische Gesundheit. Zukünftige Forschung sollte diese Einflussbereiche stärker berücksichtigen.

  1. Bestehende Schweizer Datensätze besser nutzen

Bereits vorhandene Erhebungen enthalten wertvolles Wissen, das bisher unzureichend ausgeschöpft wird. Vertiefte Analysen könnten rasch neue Erkenntnisse liefern.

  1. Längsschnittstudien etablieren

Um Entwicklungen über die Zeit hinweg zu verstehen, braucht es Studien, die Kinder und Jugendliche über mehrere Jahre begleiten.

  1. Einheitliche Messinstrumente fördern

Unterschiedliche Messmethoden erschweren Vergleiche zwischen Studien. Gemeinsame Standards würden die Qualität und Aussagekraft der Forschung erhöhen.

Der vollständige Bericht bietet eine ausführliche Darstellung aller Ergebnisse, Hintergründe und Forschungslücken. Er steht hier zum Download bereit und soll als  Grundlage für weitere fachliche Diskussionen und künftige Forschungsarbeiten zu dem Thema dienen.

Hier geht es zur Literaturübersicht: Schutz- und Risikofaktoren für die psychische Gesundheit | unicef.ch