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6 Jahre Syrienkonflikt: UNICEF zieht erschreckende Bilanz für Kinder

Damaskus/Amman/Zürich, 13. März 2017 – Die schwere Gewalt gegen Kinder in Syrien hat gemäss Aufzeichnungen im Jahr 2016 ihren Höchststand erreicht – dies berichtet UNICEF in ihrem Pamphlet über 6 Jahre des Konflikts in Syrien. Massive Verstösse gegen die Kinderrechte sowie auch gesicherte Fälle von Tötung, Verstümmelung und Rekrutierung von Kindern haben im letzten Jahr im Zuge einer drastischen Eskalation von Gewalt im ganzen Land stark zugenommen.

«Das Leid der syrischen Kinder hat ein beispielloses Ausmass erreicht. Millionen von Kindern sind täglich der Gefahr von Angriffen ausgesetzt, ihr Leben wurde komplett über den Haufen geworfen», sagte Geert Cappelaere, UNICEF Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika, während eines Besuchs in der zerstörten syrischen Stadt Homs. «Jedes einzelne dieser Kinder trägt fürs ganze Leben entsetzliche Schäden für seine Gesundheit, sein Wohlbefinden und seine Zukunft davon.»

  • Mindestens 652 Kinder wurden im Jahr 2016 in Syrien getötet – das sind 20% mehr als 2015. Dies macht 2016 zum schlimmsten Jahr seit dem ersten offiziellen Nachweis von Todesopfern unter den syrischen Kindern im Jahr 2014.
  • 255 Kinder wurden in der Schule oder im Umfeld der Schule getötet. 1,75 Millionen Kinder in Syrien können derzeit nicht zur Schule gehen.
  • Mehr als 850 Kinder wurden als Kämpfer rekrutiert, das sind mehr als doppelt so viele wie 2015. Kinder werden benutzt, um direkt an vorderster Front zu kämpfen. Sie übernehmen zunehmend eine aktive Rolle im Kampf und werden in Extremfällen sogar als Hauptakteure bei Hinrichtungen, als Gefängniswärter oder als Selbstmordattentäter eingesetzt.
  • Es gab 2016 mindestens 338 Angriffe auf Spitäler und medizinisches Personal.
  • Zwei Drittel der Menschen in Syrien haben keinen regelmässigen Zugang zu fliessendem Wasser, 8,3 Millionen Menschen müssen dringend mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen versorgt werden.

Hindernisse für den Zugang zu verschiedenen Gebieten in Syrien stehen der lückenlosen Auswertung und Beurteilung der Lage der Kinder im Wege. Sie verhindern auch den Zugang zu humanitärer Hilfe für die am stärksten gefährdeten Mädchen und Buben. So sterben jenseits der Bomben, der Gewehrkugeln und Explosionen Kinder oft still an Krankheiten, die in Friedenszeiten leicht vermeidbar wären. Denn der Zugang zu medizinischer Versorgung, lebensrettenden Hilfsgütern und anderer Grundversorgung bleibt schwierig.

Am stärksten gefährdet sind in Syrien 2,8 Millionen Kinder in schwer zugänglichen Gebieten, darunter 280 000 Kinder in besetzten Gebieten, die fast komplett von jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten sind. Nach sechs Jahren Krieg sind nun fast 6 Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen – diese Zahl hat sich seit 2012 verzwölffacht. Millionen von Kindern wurden vertrieben, viele von ihnen mehrfach. Über 2,3 Millionen Kinder leben nun als Flüchtlinge in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, Ägypten oder im Irak.

In ihrer Verzweiflung greifen Eltern zu extremen Massnahmen, um zu überleben. Sie schicken ihre Kinder zur Arbeit oder in die Frühehe. In mehr als zwei Dritteln aller Haushalte arbeiten die Kinder, um ihre Familie zu unterstützen, manche unter sehr schlechten Bedingungen, die sogar für Erwachsene ungeeignet wären. Doch trotz des Leids und des Horrors haben viele Kinder die Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden noch nicht aufgegeben, sie wollen in die Schule gehen und träumen von einer beruflichen Zukunft.

UNICEF appelliert an alle Konfliktparteien, an alle, die auf jene Einfluss haben, an die internationale Gemeinschaft und an alle, denen die Kinder nicht egal sind.

Im Interesse der syrischen Kinder ruft UNICEF auf für:

  • eine sofortige politische Lösung für das Ende des Kriegs in Syrien
  • das Ende von allen schweren Kindsrechtsverletzungen wie Tötung, Verstümmelung und Rekrutierung von Kindern sowie auch das Ende aller Angriffe auf Schulen und Spitäler
  • die Beendigung aller Besetzungen und den bedingungslosen ununterbrochenen Zugang zu allen syrischen Kindern, die Hilfe brauchen
  • anhaltende finanzielle Unterstützung für die lebensrettende Hilfe von UNICEF für syrische Kinder

Zum vollständigen UNICEF Pamphlet mit Zahlen und Grafiken: Pamphlet Syria 6 Years

Charlotte Schweizer
Mediensprecherin
UNICEF Schweiz
Tel. 044 317 22 41
E-Mail: media@unicef.ch

Über UNICEF Schweiz
UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat 70 Jahre Erfahrung in Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe. UNICEF setzt sich weltweit für das Überleben und das Wohlergehen von Kindern ein. Zu den zentralen Aufgaben gehören die Umsetzung von Programmen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wasser und Hygiene sowie der Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und HIV/Aids. UNICEF finanziert sich ausschliesslich durch freiwillige Beiträge und wird in der Schweiz durch das Schweizerische Komitee für UNICEF vertreten. Seit mehr als 50 Jahren setzt sich UNICEF Schweiz für Kinder ein – im Ausland wie im Inland.

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