Kindersoldaten – Opfer und Täter zugleich

Jürg Keim
Jürg Keim

Kinder leiden besonders stark unter den Folgen von Kriegen und Konflikten. Besonders grausam ist jedoch, wenn bewaffnete Gruppen die Kinder zu Soldaten machen und sie zwingen, für sie zu kämpfen und zu töten. 

Der Missbrauch von Kindern als Soldaten gehört mitunter zu den schlimmsten Verbrechen in bewaffneten Konflikten. Die Kinder werden in ihren Dörfern, auf Strassen und zum Teil auch in Schulen entführt, um in Konfliktregionen als Soldaten zu dienen. Kinder in jungem Alter können leicht eingeschüchtert, manipuliert und beeinflusst werden. Viele von ihnen werden mit Drogen, Gewalt und Terror zum Kämpfen, Foltern und Töten gedrillt und als Krieger abgerichtet und dementsprechend missbraucht. Sie sind Opfer eines Krieges, den sie weder verstehen noch in irgendeiner Weise verantworten. Viele Kinder haben als Kämpfer das Töten gelernt, lesen und schreiben können sie dagegen nicht, denn zur Schule sind sie nie gegangen. 

Der ehemalige Kindersoldat «James» erzählt UNICEF seine Geschichte

Neuigkeiten von James: Im Januar 2020 hat James die 4. Primarklasse erfolgreich absolviert. «Bei der Abschlussprüfung war ich die Nummer 9 von 93 Schülern in der Klasse», erklärt James stolz. Der Bildungsdienst ist Teil des von UNICEF unterstützten Reintegrationsprogramms für Kinder und Jugendliche, die als Kindersoldaten oftmals jahrelang für Streitkräfte und bewaffnete Gruppen gekämpft hatten.

© UNICEF/UNI284222/Willemot

Reintegration ist schwierig

Selbst wenn die Kinder aus der Armee entlassen wurden, leiden sie meist noch lange Zeit unter Alpträumen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit. Sie finden nur langsam und schwer zurück in einen normalen Arbeitsalltag. Bei der Rückkehr in ihre Dörfer stellen sie oft fest, dass ihre Familien geflohen sind. Und in der Gesellschaft gelten sie vermehrt als Mörder und werden weder von Angehörigen noch Nachbarn zu Hause akzeptiert. Viele lassen sich aus Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Angst erneut rekrutieren oder landen auf der Strasse. Ein Teufelskreis!
UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern in Konfliktgebieten zu beenden und zu verhindern. Ausserdem betreut UNICEF ehemalige Kindersoldaten in Übergangsheimen und bietet den traumatisierten Kindern psycho-soziale und gesundheitliche Unterstützung an. Während ihres Aufenthaltes in den Zentren suchen UNICEF und lokale Partner zudem nach den Familien der Kinder. Wenn eine Rückführung nicht möglich ist, werden sie in kleinen Wohngruppen betreut. Um den Kindern den Weg zurück in einen normalen Alltag zu ermöglichen, können sie eigens errichtete Schulen besuchen, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder abgestimmt sind. UNICEF bietet zudem Ausbildungsprogramme an und stellt ihnen nach Abschluss ein sogenanntes Starter-Kit, bspw. ein Handwerkerkoffer, zur Verfügung.
Auch im Südsudan setzt sich UNICEF unermüdlich bei der Regierung und den bewaffneten Gruppen dafür ein, die Kindersoldaten zurück in ein normales Leben zu führen. 


Freilassung von Kindersoldaten im Südsudan

Noch immer 19 000 Kindersoldaten allein im Südsudan

Trotz der Fortschritte der vergangenen zwei Jahre gibt es im Südsudan immer noch rund 19 000 Kinder, die in den Reihen bewaffneter Gruppierungen dienen. Solange die Rekrutierung und der Einsatz von Kindern durch diese Streitkräfte andauern, verletzen diese Gruppen die fundamentalsten Rechte von Kindern.

© UNICEF/UN0276008/Rich
Formelle Entwaffnungszeremonie von über 200 Kindersoldaten im Südsudan, 2018
© UNICEF/UN0275997/Rich
Die beiden Kinder (12 und 13 Jahre) werden einen Prozess der Reintegration beginnen, 2018

12. Februar ist Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten 

Am 12. Februar 2002 trat das Fakultativprotokoll zur Kinderrechtskonvention zum Verbot des Einsatzes von Kindern und Jugendlichen als Soldatinnen und Soldaten in Kraft. Seitdem gilt die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen. Minderjährige dürfen nicht gegen ihren Willen eingezogen werden oder an Kampfhandlungen teilnehmen.
Durch das Fakultativprotokoll ist bereits viel passiert. Unter anderem wurden Verantwortliche erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof für ihre Taten angeklagt. Doch noch immer sind schätzungsweise weltweit bis zu 250 000 Kindersoldaten im Einsatz.
 

Quelle: United Nations: Children and armed conflict, Report of the Secretary-General, 24 August 2017

Besonders viele Mädchen und Knaben werden von verschiedenen Gruppen in andauernden Konflikten im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen für ihre Zwecke missbraucht. Aber auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Kinder als Soldaten oder als Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt. Dennoch gibt Fortschritte zu verzeichnen: Rund 65 000 ehemalige Kindersoldaten konnten in den vergangenen zehn Jahren befreit werden.