Antworten. Für jedes Kind.

Felix Freese
Felix Freese

Wir lernen ein Leben lang. Doch damit wir unser ganzes Potenzial entfalten können, müssen wir als Kind die Möglichkeit haben zu lernen. Die Kindheit ist der entscheidende Moment, in dem wir die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben stellen. Bildung bedeutet die Chance auf eine nachhaltige Verbesserung. Mit ihrer Hilfe wird der Armutskreislauf durchbrochen. Unterricht für Kinder stärkt auch die Familie und darüber hinaus die Gemeinschaft. Kinder bekommen mit Bildung die Chance, die Welt zu verändern.

Schulmädchen in Kamerun, 2021
Schulmädchen in Kamerun, 2021

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. Diese von fast allen Ländern weltweit ratifizierte Kinderrechtskonvention  wird durch eine globale Lernkrise gefährdet. Es besuchen zwar mehr Kinder denn je eine Schule. Aber Hunderte von Millionen Mädchen und Buben lernen nicht. Aktuell haben 40 Prozent aller Kinder im Kleinkindalter, oder fast 350 Millionen, keinen Bildungszugang. Unternehmen wir jetzt nichts, werden bis 2030 mehr als ein Viertel der aktuell 1,4 Milliarden Schulkinder aus Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen nicht die grundlegendsten Fähigkeiten im Schreiben und Rechnen  in ihrer Kindheit erwerben. Mehr als 825 Millionen Kinder werden kein grundlegendes Wissen  während der Sekundarschulzeit aufbauen können. Die Kluft zwischen den Bildungsmöglichkeiten und dem, was Kinder, Gemeinden und die Wirtschaft wirklich brauchen, wächst.

Fernunterricht in Kamerun
Yohan, ein 10-jähriger Junge aus Kamerun, lernt immer noch jeden Tag mit seinem Radio.

Ohne Wissen keine Strategie

UNICEF leistet weltweit wichtige Arbeit für Kinder. Alle Massnahmen kulminieren in einem Punkt: Wissen. Wir können nicht etwas verändern, was wir nicht überblicken. Viele Faktoren wie Klimawandel, Migration, Vertreibung oder Konflikte haben einen Einfluss auf das Leben der Kinder. Heute und in Zukunft. In einer Welt, in der sich schnell und unvorhersehbar Sachverhalte ändern, ist es absolut entscheidend, herauszufinden was und warum es passiert. Nur so kann man die Auswirkungen abmildern. Aus gesammelten Daten Antworten formen, daran forscht UNICEF. So zeigt sich, dass sich der Fortschritt in einigen Bereichen, etwa bei der Armutsbekämpfung, auf dem Weg zu den SDGs verlangsamt hat oder sogar zusammenfällt. Covid-19 bedroht Erfolge in der Kindergesundheit, auch psychisch. Damit Veränderungen erzielt werden, müssen Massnahmen neu überdacht werden. Deren strategische Ausrichtung basiert noch verstärkter auf Forschung. UNICEF verbindet dabei die Analysen in Ländern mit Bildungsprogrammen mit dem UNICEF-Forschungszentrum Innocenti in Florenz, Italien. Globale Entwicklungen werden so sichtbarer. Es können auf Grundlage der umfassenden und permanent aktualisierten Daten ganzheitliche Lösungen entwickelt werden. Erst diese neue Ausrichtung ermöglicht es, innovative Strategien zu entwickeln, mit denen gegen die aktuelle Lernkrise effizient vorgegangen werden kann.

Mädchen schreibt in Heft
Statt in der Schule zu lernen verkauft die neunjährige Valentinne aus La Paz, Bolivien, nun Taschentücher auf der Strasse, um ihre Familie finanziell zu unterstützen.

Drei-Säulen-Strategie «Every child learns»

Gemeinsam mit Partnern hat UNICEF bereits 2019 eine neue Bildungs-Strategie entwickelt. Das Ziel war schon damals eine klare Vision sowie wegweisende Konzepte zur Bewältigung einer globalen Lernkrise. Mit der Vision «Every child learns» setzt UNICEF den Schwerpunkt auf verbesserte Lernmethoden sowie auf die Förderung von Stärken. Die neue Strategie setzt bereits bei der frühkindlichen Entwicklung an und reicht bis in den Übertritt ins Erwachsenenalter. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die am meisten benachteiligten Kinder in Krisengebieten und auf Kinder, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 

Die Strategie «Every child learns» fusst auf drei Säulen. Erstens muss gleicher Zugang zu Lernangeboten für jedes Kind geschaffen werden. Besonderes Gewicht liegt hier auf Mädchen und Buben, die aufgrund von Geschlecht, Behinderung, Armut und ethnischer Zugehörigkeit nicht zur Schule gehen. Zweitens müssen Möglichkeiten zum Lernen erweitert werden. Dazu brauchen Kinder vor allem in den ersten und den letzten Schuljahren besondere Unterstützung. Drittens braucht es verbesserte Lernmöglichkeiten und Schutz für Kinder in Notsituationen und in gefährdeten Regionen.

Bub im Fernunterricht, Mauretanien
In Mauretanien funktioniert der Fernunterricht dank solarbetriebenen Radios.

Mit Evidenz ans Ziel

Zur Zielerreichung werden Schwerpunkte gesetzt. Die ersten drei Ansätze schlagen dabei einen anderen Weg ein als in den bisher bestehenden Massnahmen. Zur Stärkung der Bildungsstrukturen in den Ländern braucht es eine engere Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und den involvierten nichtstaatlichen Partnern. Lernen wird zum Hauptziel erklärt. Daten schaffen Evidenz. Mit der Verbesserung bei der Erhebung von relevanten Indikatoren verstehen wir besser, weshalb Kinder durch das System fallen. Wir erkennen, wie man ihre Bedürfnisse effizienter mit den Bildungsprogrammen verknüpft. Mit evidenzbasierten Daten können wir Regierungsmitglieder mobilisieren und sie so unterstützen, Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig wirken. Skalierbare und nachhaltige Innovationen stellen sicher, dass Unterricht mit Hilfe von neuen Lernmöglichkeiten sowohl im Klassenzimmer als auch fernab stattfinden kann.

© UNICEF/UN0473539/Mulala
Als ihre Schule wegen des Coronavirus geschlossen wurde, lernte Nelvy dank Fernunterricht mit Radio weiter. Demokratische Republik Kongo

«Every child learns» in der Praxis

Mit über 790 Mitarbeitenden im Bildungsbereich in 144 Ländern weltweit ist UNICEF in der einzigartigen Lage, Partner, Regierungen sowie Entscheiderinnen und Entscheider aus der Politik zusammenzubringen. Gemeinsam können so zukunftsweisende Wege eingeschlagen werden. Konkret zeigt sich die Wirksamkeit der «Every child learns»-Strategie bereits bei den neuen Massnahmen, die zur Eindämmung der Folgen durch die Covid-19-Pandemie getroffen wurden. Die Einschränkungen beim normalen Unterricht ermöglichten den Einsatz von Technologien für den Fernunterricht. Zum Beispiel über Radio und TV oder den Aufbau von Netzwerken in Regionen ohne Internet. Schulen wurden wieder geöffnet, nachdem Massnahmen die Gesundheit, Hygiene und den Schutz von Kindern und dem Lehrpersonal sichergestellt haben. UNICEF ermöglichte die Sicherstellung von Finanzierungen bei Bildungsprogrammen. Dies stärkte die Resilienz von Bildungssystemen in Krisenzeiten. So wurde etwa in Indien gemeinsam mit der Regierung und der Privatwirtschaft ein Portal entwickelt, das Sekundarschülern Entscheidungshilfen bei der weiteren Schul- und Karriereplanung bietet. In Uganda, dem Land in Afrika mit den meisten Flüchtlingen, unterstützt UNICEF Lehrpersonen in Flüchtlingscamps mit Weiterbildungsprogrammen, abgeglichen mit dem Bildungs-System und den -Niveaus im Land.

Afghanistan 2021

Die Massnahmen wirken

Seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie haben die Massnahmen 48 Millionen Kinder im Kleinkindalter, sowie Primar- und Sekundarschulkinder erreicht. Über 43 Millionen Schülerinnen und Schüler wurden mit individuellen Bildungsmassnahmen unterstützt, etwa mit der Ausstattung von Lernmaterial. Mehr als 7,7 Millionen Kinder nahmen an Programmen zur Talentförderung teil.

Die Herausforderungen, die bis 2030 vor uns liegen, sind durch die Covid-19-Pandemie noch weiter gewachsen. Aber auch die Chancen, durch gemeinsame und innovative Arbeit diese Herausforderungen zu lösen. Wir haben einen Weg mit Perspektive für eine bessere Zukunft eingeschlagen. Die Vision, dass jedes Kind gut lernen kann, wurde fassbar. Aber die Entwicklung heute zeigt, dass es für das Erreichen mehr denn je die Unterstützung von uns Erwachsenen braucht.


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