Angesichts drastischer Kürzungen der weltweiten Bildungsfinanzierung könnten bis Ende 2026 schätzungsweise 6 Millionen Kinder zusätzlich keine Schule mehr besuchen, etwa ein Drittel davon in humanitären Krisensituationen.
Am härtesten betroffen ist voraussichtlich der Grundschulbereich: Hier soll die Finanzierung weltweit um ein Drittel zurückgehen, was die Bildungskrise verschärft und die betroffenen Kinder einem Verlust von geschätzten 164 Milliarden US-Dollar an Lebenseinkommen aussetzt.
In humanitären Kontexten, in denen Bildung weit über das Lernen hinausgeht – sie bietet lebensrettende Unterstützung, Stabilität und ein Gefühl von Normalität für traumatisierte Kinder –, könnten die Mittel drastisch sinken. In einigen Fällen entspräche dies Kürzungen von mindestens 10 Prozent des nationalen Bildungsbudgets. Im Rahmen der UNICEF-Hilfen für die Rohingya-Flüchtlinge etwa droht 350 000 Kindern der dauerhafte Verlust des Zugangs zu Grundbildung. Ohne dringende Finanzhilfen könnten Bildungszentren schliessen, wodurch Kinder vermehrt der Gefahr von Ausbeutung, Kinderarbeit und Menschenhandel ausgesetzt wären.
Auch essenzielle Dienste wie Schulspeisungsprogramme, für manche Kinder die einzige nahrhafte Mahlzeit des Tages, könnten um mehr als die Hälfte gekürzt werden. Die Unterstützung für Mädchenbildung soll ebenfalls erheblich zurückgehen.
Weitreichende Kürzungen auf Systemebene untergraben zudem die Fähigkeit von Regierungen, evidenzbasierte Pläne zu entwickeln, die Lehrkräfte angemessen zu fördern und Lernergebnisse zu überwachen. Das bedeutet, dass selbst Kinder, die weiterhin zur Schule gehen, einen Qualitätsverlust beim Lernen erleben könnten – mindestens 290 Millionen Schulkinder in allen Regionen sind hiervon betroffen.
UNICEF ruft Geber- und Partnerländer dazu auf, jetzt zu handeln und Bildung zu schützen, indem sie:
- Bildungshilfe gerechter und wirkungsvoller ausbalancieren und mindestens 50 Prozent an die am wenigsten entwickelten Länder vergeben;
- die Finanzierung humanitärer Bildung absichern und Bildung als lebensrettende Massnahme gleichrangig mit anderen essenziellen Diensten priorisieren;
- die Bildungsunterstützung auf grundlegendes Lernen konzentrieren, insbesondere im Vorschul- und Primarbereich, wo die Erträge am höchsten sind;
- die globale Finanzarchitektur im Einklang mit der UN80-Initiative vereinfachen, um Effizienz zu steigern;
- innovative Finanzierungsinstrumente ausweiten, ohne dabei die Kernfinanzierung der Bildung zu ersetzen.
«In die Bildung von Kindern zu investieren, gehört zu den besten Investitionen in die Zukunft – für alle», sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. «Länder entwickeln sich besser, wenn ihre Kinder gebildet und gesund sind, und das trägt zu einer stabileren und wohlhabenderen Welt bei.»
Auch Kürzungen in der Schweiz
Der Bundesrat und das Parlament haben im Budget 2025 einschneidende Kürzungen bei der internationalen Zusammenarbeit beschlossen, die auch die Beiträge an die Vereinten Nationen betreffen. UNICEF erhält von der DEZA neu nur noch 13 statt 18 Millionen Franken, was einer Reduktion um 25 Prozent entspricht. Auch andere UN-Organisationen sind betroffen: Beiträge an UNDP und UN Women sinken um 20 Prozent, Beiträge an UNAIDS und die UNESCO werden ganz gestrichen.