Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell zum seit vier Jahren andauernden Ausschluss von Mädchen in Afghanistan aus dem Bildungswesen.
«Seit nunmehr vier Jahren ist es Mädchen in Afghanistan verwehrt, nach der 6. Klasse eine Schule zu besuchen. Bis Ende 2025 werden dadurch mehr als 2,2 Millionen Mädchen von Bildung ausgeschlossen sein.
Allein in diesem Jahr sind über zwei Millionen Afghanen und Afghaninnen aus den Nachbarländern zurückgekehrt. Damit wird die Zahl der Mädchen, die keine Schule besuchen können, weiter steigen.
Nach dem verheerenden Erdbeben in Afghanistan, das 1 172 Kinderleben gefordert hat, zeigt sich deutlicher denn je, wie unverzichtbar gut ausgebildete weibliche Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen sind. Sie spielen eine zentrale Rolle in humanitären Hilfseinsätzen insbesondere in einer Gesellschaft, in der strikte Geschlechtertrennung die Arbeit männlicher Helfer einschränkt. Damit diese Berufe, wie viele weitere auch, langfristig gesichert sind, müssen Mädchen Zugang zu Bildung erhalten.
Während in diesen Wochen Millionen Kinder weltweit ins neue Schuljahr starten, bleibt Afghanistans Mädchen dieses grundlegende Recht verwehrt. Dies ist eine der gravierendsten Ungerechtigkeiten unserer Zeit.
Das Bildungsverbot bedroht die langfristige Stabilität und Entwicklung des Landes in höchstem Masse. Kein Staat kann gedeihen, wenn die Hälfte seiner Bevölkerung zurückgelassen wird. Für Fortschritt braucht Afghanistan die volle Teilhabe von Frauen und Männern, um eine widerstandsfähige Arbeitswelt zu schaffen, wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben und den Bedürfnissen einer wachsenden Gesellschaft gerecht zu werden.
Afghanistans Mädchen verlieren nicht nur schulisches Wissen. Ihnen wird auch die Möglichkeit genommen, soziale Kontakte zu knüpfen, persönlich zu wachsen, ihre Zukunft zu gestalten und ihr Potenzial zu entfalten.
Besonders besorgt bin ich um die Millionen Mädchen, die in ihren Häusern isoliert sind und um die Folgen dieser Vereinsamung. Meine Kollegen und Kolleginnen bei UNICEF beobachten zunehmende psychische Belastungen, frühe Heiraten und hohe Geburtenraten. All dies wäre vermeidbar.
UNICEF fordert die De-facto-Behörden mit Nachdruck auf, dieses zerstörerische Verbot aufzuheben und allen Mädchen in Afghanistan den Schulbesuch zu ermöglichen von der Grundschule bis zur weiterführenden Schule und darüber hinaus.»