Eine Zusammenfassung der Aussagen von Marcoluigi Corsi, UNICEF-Länderchef im Libanon, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf.
«In nur drei Wochen wurden im Libanon mehr als 370 000 Kinder aus ihren Häusern vertrieben. Das entspricht mindestens 19 000 Mädchen und Jungen pro Tag. Jeden Tag fliehen damit so viele Kinder wie in hunderten voll besetzten Schulbussen.
In weniger als einem Monat wurden rund 20 Prozent der Bevölkerung vertrieben. Mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht, viele bereits mehrfach. Das Ausmass und die Geschwindigkeit sind erschütternd.
Die psychische Belastung für die Kinder ist enorm. Viele hatten sich noch nicht von der Eskalation vor 15 Monaten erholt. Nun erleben sie erneut Bombardierungen und Flucht. Das verstärkt ihre Traumata und hinterlässt tiefe Spuren.
In einer Unterkunft in Beirut traf ich die elfjährige Zeinab. Sie war bereits vor 18 Monaten in derselben Schule untergebracht. Sie sagte, sie hätte nie gedacht, das noch einmal zu erleben. Sie wünscht sich, nach Hause zurückzukehren und wieder zur Schule zu gehen.
Heute suchen über 135 000 Vertriebene Schutz in mehr als 660 Sammelunterkünften. Viele leben unter sehr schwierigen Bedingungen, oft in überfüllten und unsicheren Unterkünften. Die Infrastruktur steht unter enormem Druck.
Wichtige Dienstleistungen brechen zusammen. Wasseranlagen wurden zerstört, zehntausende Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Rund 435 Schulen dienen als Unterkünfte. Über 115 000 Kinder können nicht mehr zur Schule gehen.
Mindestens 121 Kinder wurden getötet und 395 verletzt. Viele Familien fliehen mit kaum mehr als der Kleidung, die sie tragen, oft mehrfach innerhalb weniger Tage.
Zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen und Wassersysteme wird weiterhin beschädigt oder zerstört.
UNICEF ist vor Ort im Einsatz und erreicht hunderttausende Menschen mit Nothilfe. Medizinische Versorgung wurde geliefert und Gesundheitsdienste aktiviert. Zudem unterstützen wir Unterkünfte mit Wasser und Sanitärversorgung und arbeiten an Lösungen für Bildung.
Doch humanitäre Hilfe allein reicht nicht aus. Angriffe auf Gesundheits- und Hilfspersonal erschweren die Arbeit. Viele Familien bleiben unerreichbar.
Kinder zahlen den höchsten Preis. Wir fordern sicheren und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe. Angriffe auf zivile Infrastruktur müssen sofort beendet werden. Vor allem brauchen die 370 000 vertriebenen Kinder dringend eine Waffenruhe. Sie müssen aufhören zu fliehen und wieder als Kinder leben können.»