In der ersten Februarwoche 2026 empfieng UNICEF eine Delegation von Botschafterinnen und Botschaftern des «Roche Childrens Walk» zu einem Projektbesuch in Mehrstufenklassen-Schulen auf dem südlichen Teil der philippinischen Insel Leyte. Der Besuch bot Gelegenheit, aus erster Hand zu sehen, wie die langjährige Partnerschaft zwischen der Stiftung Roche Employee Action and Charity Trust (Re&Act) und UNICEF Bildungsmöglichkeiten für Kinder in einem der entlegensten Gebiete des Landes unterstützt.
Seit mehr als zwanzig Jahren sammeln Mitarbeitende im Rahmen des Roche Children’s Walk Spenden für Kinder in schwierigen Lebenssituationen. Die Aktion ist die grösste Mitarbeiterengagement- und Fundraising-Initiative von Roche. Jedes Jahr übernehmen ausgewählte Mitarbeitende dabei eine zusätzliche Rolle als Botschafterinnen und Botschafter des Children’s Walk. In dieser Funktion helfen sie, ihre Kolleginnen und Kollegen zu mobilisieren, und übernehmen die Verantwortung für die Sammlung von Spenden in ihren Ländern. Über die Stiftung Re&Act unterstützt Roche mit diesen Massnahmen Programme, die gemeinsam mit Partnern wie UNICEF umgesetzt werden – darunter auch eine Bildungsinitiative auf den Philippinen. Der Besuch gab den Botschafterinnen und Botschaftern von Roche die Gelegenheit, eines dieser Programme vor Ort kennenzulernen. Ausserdem trug er dazu bei, das gemeinsame Engagement Tausender Mitarbeitender des Unternehmens weltweit mit den Kindern und Gemeinschaften zu verknüpfen, denen die Hilfe letztendlich zugutekommt.
Eines der Gebiete, in denen diese Unterstützung einen positiven Unterschied bewirkt, sind die Mehrstufenklassen-Schulen im Süden der Insel Leyte. In solchen Schulen unterrichten Lehrkräfte mehrere Jahrgänge im selben Klassenzimmer. Dieser Ansatz ist seit vielen Jahren im philippinischen Bildungssystem verbreitet und sorgt dafür, dass auch Kinder aus geografisch isolierten Gemeinschaften Zugang zu Bildung haben. Aktuell lernen rund eine halbe Million Kinder landesweit in etwa 8500 jahrgangsübergreifenden Schulen. Ohne diese Schulen müssten viele von ihnen täglich lange Wege zurücklegen, was aufgrund von geografischen Gegebenheiten, Kosten oder Sicherheitsbedenken oft unmöglich ist.
Die Reise in den Süden der Insel Leyte
Unsere Reise begann mit einem Flug von Manila nach Tacloban, der Hauptstadt der Provinz Leyte. Als wir dort aus dem Flugzeug stiegen, regnete es bereits in Strömen. Das Flughafenpersonal begrüsste alle Passagierinnen und Passagiere mit grossen Regenschirmen. So gelangten wir wenigstens halbwegs trocken ins Terminal. Der Besuch war zwar sorgfältig so geplant worden, dass er nicht in die Taifunsaison fiel, doch der Regen liess nicht nach – ein Anzeichen dafür, wie unberechenbar das Wetter in der Region geworden ist.
Von Tacloban aus setzten wir unsere Reise im Auto fort. Fast fünf Stunden lang ging es zur Südprovinz der Insel. Vom Meer aus fuhren wir erst tiefer ins Landesinnere, bevor wir die Insel in Richtung der gegenüberliegenden Küste durchquerten – auf steilen, kurvenreichen Strassen, die über neu gebaute und kürzlich renovierte Brücken führten. Unser Weg verlief durch üppige Hügel mit dichter tropischer Vegetation. Mit jedem Kilometer wirkte die Landschaft ruhiger und abgelegener. Es regnete unentwegt, und wir konnten sehen, wie schnell die Strassen und Pfade sich mit Wasser füllten. An einigen Orten waren kleinere Häuser – viele davon mit einfachen Wellblechdächern – bereits vom steigenden Wasser umgeben und geflutet. Gemeinschaften, die in der Nähe des Meeres leben, sind besonders gefährdet. Schon ein vorüberziehender Sturm vermittelt einen Eindruck davon, welche Auswirkungen stärkere Taifune oder Sturmfluten haben können. Nach der langen Fahrt kamen wir schliesslich in Maasin City an, wo wir in den nächsten Tagen untergebracht waren.
Am nächsten Morgen setzten wir die Reise zu zwei der Merstufenklassen-Schulen fort, die von der Partnerschaft zwischen Roche Re&Act und UNICEF unterstützt werden. Nach einer zweistündigen Fahrt auf engen Strassen erreichten wir den kleinen Pfad, der zur Schule hinaufführte. Obwohl wir für die Reise geländegängige Allradfahrzeuge gemietet hatten, kamen wir damit nicht weiter. Nach tagelangem Regen bestand der Weg nur noch aus tiefem Schlamm und war unpassierbar. Also liessen wir unsere Fahrzeuge stehen und machten uns zu Fuss auf den Weg. Nach 25 Minuten war die Schule schliesslich in Sicht.
Bei UNICEF folgen wir bei unserer Arbeit einem einfachen Leitsatz: jedes Kind erreichen. Auf dieser Reise erlebten wir selbst, wie das letzte Stück Weg für Gemeinschaften in entlegenen Gebieten wie hier aussehen kann.
Stärkung von Mehrstufenklassen-Schulen
Schulen mit Mehrstufenklassen wie diese sind oft mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Eigens für den Unterricht in Mehrstufenklassen entwickelte Bildungsmaterialien sind nur begrenzt verfügbar. Den Lehrkräften fehlt zudem häufig die Gelegenheit, an spezialisierten Schulungen teilzunehmen. Aufgrund der langen Schliessungen während der COVID-19-Pandemie vergrösserten sich die Bildungslücken zusätzlich, insbesondere bei Kindern in ländlichen Gemeinschaften, die ohnehin schon benachteiligt waren. In einigen dieser Schulen fand infolge der Pandemie fast zweieinhalb Jahre lang kein Unterricht statt. Wo zu diesem Zeitpunkt noch kein digitales Lernen eingeführt worden war, verpassten die Kinder somit mehr als zwei Jahre Unterricht – ein Unterbruch mit tiefgreifenden Konsequenzen für ihr Lernen und ihre Entwicklung.
UNICEF arbeitet gemeinsam mit dem philippinischen Bildungsministerium darauf hin, den jahrgangsübergreifenden Unterricht durch den Einsatz digitaler Technologie zu stärken. Das Projekt stellt digitale Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und bietet Schulungen für Lehrkräfte zum Einsatz von Technologie im Unterricht und Unterstützung für die Schulleitungen bei der Umsetzung und Überwachung digitalen Lernens an. Auch die Eltern und Gemeinschaften werden eingebunden und in die Lage versetzt, zu Hause sicheres digitales Lernen zu ermöglichen.
Aktuell laufen Pilotprojekte der Initiative in zwei Regionen – Eastern Visayas und Caraga. Ihr Ziel ist, ein Modell zu entwickeln, welches das Bildungsministerium anschliessend auf das ganze Land ausweiten kann. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Kinder selbst in den entlegensten Gebieten Zugang zu hochwertiger Bildung haben. Solche Initiativen tragen letztendlich dazu bei, dass der Wohnort eines Kindes nicht über seine Bildungschancen entscheidet.
Im Klassenzimmer
In den Klassenzimmern der Kauswagan Primary School und der Santa Maria Primary School herrschten konzentrierte Ruhe und grosse Aufmerksamkeit. Kinder in Schuluniformen sassen an ihren Pulten, einige schrieben eifrig in ihre Schulhefte, anderer arbeiteten in kleinen Gruppen. Durch die offenen Fenster blickten wir auf grüne Hügel, die sich in die Ferne erstreckten, während im Klassenzimmer ganz klar das Lernen im Vordergrund stand.
In Mehrstufen-Klassenzimmern wie diesen unterrichtet eine Lehrkraft gleichzeitig Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge. Während eine Gruppe von Kindern selbstständig einer Aktivität nachgeht, hören andere Kinder vorne im Klassenzimmer dem Unterricht zu. Von der Lehrkraft erfordert diese Art von Unterricht ständigen Einsatz, sorgfältiges Timing und grosse Konzentration, damit jedes Kind die Aufmerksamkeit erhält, die es braucht.
Allein beim Zuschauen wird klar, wie anspruchsvoll diese Rolle ist. Die Lehrkräfte bewegen sich ständig zwischen den Gruppen, von einer Altersstufe zur anderen, leiten Diskussionen, kontrollieren Übungen und ermutigen parallel dazu ihre Schülerinnen und Schüler. Es ist schon ein gewaltiges Unterfangen, gleichzeitig Gruppenarbeit zu koordinieren, mehrere Themen zu erklären und verschiedene Lernniveaus zu steuern.
Digitale Tools unterstützen dieses komplexe Lernumfeld. In den Klassenzimmern, die wir besuchten, verwendeten die Lehrkräfte Laptops im Unterricht, während die Schülerinnen und Schüler abwechselnd Übungen auf Tablets und ganz traditionell mit Stift und Papier durchführten. Diese Kombination versetzt die Kinder in die Lage, selbstständig und in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten. Auch bietet sie den Lehrkräften die Flexibilität, sich von einer Gruppe zur anderen zu bewegen und die Kinder mit dem grössten Bedarf zu unterstützen. Im Rahmen des Programms wird dieser Ansatz in rund 100 Schulen eingeführt. Etwa 5000 Schülerinnen und Schüler werden so von 300 Lehrkräften unterrichtet.
Besonders beeindruckend ist das Engagement der Lehrkräfte. Viele nehmen lange Wege auf sich, um diese abgelegenen Schulen zu erreichen. Sie bleiben in der Woche dort und kehren nur am Wochenende zu ihren Familien zurück. In einigen Fällen schlafen die Lehrpersonen sogar im Klassenzimmer. Ihr Engagement spiegelt ihre tiefe Überzeugung wider, dass Bildung von entscheidender Bedeutung ist und jedes Kind, das vor ihnen sitzt, grosses Potenzial hat. Ihr Einsatz und ihre Hingabe – unterstützt durch Initiativen wie dem Programm der UNICEF und des Bildungsministeriums – gewährleisten, dass Kinder selbst in den abgelegensten Gegenden die Möglichkeit haben, zu lernen und sich erfolgreich zu entwickeln.
Weshalb es wichtig ist, jedes Kind zu erreichen
In Gemeinschaften wie diesen im Süden der Insel Leyte kann Bildung Türen zu Chancen öffnen, die weit über das Klassenzimmer hinaus reichen. Sie vermittelt jungen Menschen das Wissen, die Kompetenzen und das Selbstvertrauen, ihre eigene Zukunft zu gestalten und einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Die Stärkung von Mehrstufenklassen-Schulen auf den Philippinen spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Unser Besuch in den beiden Schulen auf der Insel Leyte führte uns eindrücklich vor Augen, dass es oft notwendig ist, im wahrsten Sinne des Wortes die Extrameile zu gehen, um jedes Kind zu erreichen. Klassen wie diese zeigen jedoch, dass die Hingabe der Lehrkräfte und die Neugier der Kinder die Mühe jedes Mal wert ist. Auch wenn der Weg zu diesen Schulen lang und mühevoll ist, tragen diese Bemühungen dazu bei, dass jedes Kind – egal, wie abgelegen sein Dorf ist – die Chance hat zu lernen.