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UNICEF Report Card 20: Bildungschancen von Kindern in der Schweiz hängen stark vom Elternhaus ab

In der Schweiz hängt der Bildungserfolg von Kindern weiterhin stark von ihrer sozialen Herkunft ab. Zu diesem Schluss kommt die neue UNICEF Report Card 20 zur Situation von Kindern in wohlhabenden Ländern. Trotz insgesamt guter Leistungen im internationalen Vergleich zeigt sich eine ausgeprägte Ungleichheit je nach sozioökonomischem Status.

Zwei Mädchen lesen im Unterricht die Broschüre zur Kinderrechtskonvention im Rahmen der Schulaktion «Du gehörst dazu» 2024.
Zwei Mädchen lesen im Unterricht die Broschüre zur Kinderrechtskonvention im Rahmen der Schulaktion «Du gehörst dazu» 2024.

Besonders deutlich wird dies beim Bildungserfolg: Während 91 Prozent der Jugendlichen aus privilegierten Haushalten grundlegende Kompetenzen erreichen, sind es bei Jugendlichen aus benachteiligten Familien lediglich 46 Prozent. Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit den grössten Leistungsunterschieden.

«Die Daten zeigen klar, dass die soziale Herkunft in der Schweiz nach wie vor entscheidend für die Chancen von Kindern ist», sagt Désirée Zaugg, Kinderrechts- und Politikexpertin bei UNICEF Schweiz und Liechtenstein.

Unterschiede zeigen sich im Alltag

Die Ungleichheiten beschränken sich gemäss der Report Card 20 nicht auf die Schule, sondern prägen den Alltag von Kindern. Jugendliche aus einkommensschwächeren Haushalten berichten deutlich seltener von hoher Lebenszufriedenheit: 72 Prozent gegenüber 83 Prozent. Auch bei der Ernährung bestehen Unterschiede: 43 Prozent der benachteiligten Jugendlichen konsumieren täglich Gemüse, gegenüber 52 Prozent bei privilegierten Jugendlichen.

Auch die Perspektiven der Kinder selbst verdeutlichen diese Unterschiede. «Wenn es Geldprobleme gibt, hat man nicht die gleichen Möglichkeiten für Freizeit oder Schule», sagt ein Kind aus einer Schweizer Fokusgruppe.

Sozialstaat gleicht Startbedingungen nur begrenzt aus

Die Analyse zeigt ein zentrales Spannungsfeld: Der Schweizer Sozialstaat schützt zwar vor extremer materieller Not, gleicht ungleiche Startbedingungen jedoch nur begrenzt aus. Die soziale Herkunft bleibt damit ein entscheidender Faktor für Bildungserfolg und Lebensbedingungen von Kindern. Gleichzeitig hat sich die Situation in den letzten Jahren verschärft: Sowohl die Kinderarmut als auch die Einkommensungleichheit sind in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen. Damit gehört die Schweiz zu den OECD-Ländern mit der stärksten Zunahme.

Handlungsbedarf bleibt bestehen

Aus Sicht von UNICEF zeigt die Analyse, dass zusätzliche Anstrengungen notwendig sind, um allen Kindern gleiche Chancen zu ermöglichen – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.