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Kinderarmut in der Schweiz

Unser neues Positionspapier gibt eine Übersicht über die aktuelle Situation von Kinder- und Familienarmut in der Schweiz. Damit knüpft es an die kürzlich erschienene Report Card 20 von UNICEF Innocenti an. [1] Diese zeigte auf, dass die soziale Herkunft in der Schweiz entscheidend für die Chancen von Kindern ist. Umso wichtiger ist es, die aktuelle Situation im Bereich der nationalen Kinderarmut zu kennen, um entsprechend handeln zu können.

Ein Junge steht angelehnt an einer Wand und schaut nachdenklich in die Ferne.

In der Schweiz ist beinahe jedes fünfte Kind armutsgefährdet, 7,1 Prozent sind armutsbetroffen. Damit verzeichnet die Schweiz in den letzten zehn Jahren eine Zunahme der Kinderarmut. Die Situation gestaltet sich dabei je nach Grossregion sehr unterschiedlich. Insbesondere in der Nordwestschweiz und der Genferseeregion ist eine Zunahme über die Zeit zu beobachten.

Sozialtransfers, wie beispielsweise Familienzulagen, verloren zudem über die letzten zehn Jahre an Wirksamkeit. 2024 reduzierten sie Kinderarmut noch von 20,7 Prozent auf 7,1 Prozent, was einer Reduktion von 65,1 Prozentpunkten entspricht. Sozialtransfers reichen also nicht aus, um alle Kinder vor Armut zu schützen und sind auch nicht ausreichend, um Kinder vor relativer Armut zu bewahren.

Kinderarmut geht dabei über den finanziellen Aspekt hinaus und hat weitreichende Folgen für die betroffenen Kinder. Von kinderspezifischer materieller und sozialer Deprivation sind insbesondere einkommensschwache Familien, Einelternhaushalte und Familien mit mehr als zwei Kindern betroffen.

Der wirtschaftliche Druck auf Haushalte mit mittlerem bis niedrigem Einkommen hat sich aufgrund der Teuerung, der Erhöhung der Krankenkassenprämien und der Wohnkosten zunehmend verschärft. Die Wohnkostenüberbelastung[2] ist ein zentrales Problem, ebenso die Überbelegung von Wohnungen[3]. 47 Prozent der armutsgefährdeten Familien tragen Wohnkosten über ihrem Budget, 39 Prozent der armutsgefährdeten Kinder leben ausserdem in überbelegten Wohnungen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es in der Schweiz massgeblich von der finanziellen Situation der Familie abhängt, inwiefern Kinder ihre Rechte wahrnehmen können. Zudem bestehen starke regionale Unterschiede. Der Wohnort spielt eine wichtige Rolle dabei, wie stark sich Armut auf die Lebenssituation eines Kindes auswirkt. Die zusammengetragenen Daten zeigen deutlich: Die Bekämpfung von Kinderarmut muss in der Schweiz zur politischen Priorität erklärt werden, wenn man als Staat der Verpflichtung zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention nachkommen will. Nur so kann es gelingen, allen Kindern ein Aufwachsen zu ermöglichen, bei dem ihre Entwicklung, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden im Fokus stehen.

Deshalb empfehlen wir:

  1. Kinderarmut als politische Priorität anzuerkennen und Budget und Ressourcen zur Bekämpfung zu sprechen.
  2. Die Datenlage zu Kindern und Jugendlichen zu verbessern.
  3. Familienfreundliche Rahmenbedingungen voranzutreiben.
  4. Instrumente für einkommensschwache Familien einzuführen und die bereits vorhandenen wirkungsvollen Instrumente weiter zu stärken.

Lesen sie das ganze Positionspapier hier: Kinderarmut in der Schweiz