Kinder laufen auf der Strasse
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Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Gemeinden stärken

Das psychische Wohlbefinden ist ein wichtiger Baustein für die gesunde Entwicklung jedes Kindes. Es prägt, wie Kinder und Jugendliche lernen, Beziehungen aufbauen und ihren Alltag bewältigen.

Gemeinden und Städte spielen eine wichtige Rolle in Bezug auf Gesundheitsförderung und Prävention. Sie verfügen über vielfältige Möglichkeiten, das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen dort zu stärken, wo sie auch leben, zur Schule gehen und ihre Freizeit verbringen. Diese Seite zeigt zentrale Handlungsfelder auf und bündelt bewährte Angebote, Materialien und Praxisansätze, die Gemeinden bei der Förderung und Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen unterstützen können.

Die folgenden Empfehlungen basieren auf einer unter “Kinderfreundlichen Gemeinden” durchgeführten Umfrage (2025) sowie einem Austausch mit ausgewählten Gemeinden. Die Umfrage hat gezeigt, dass vor allem grosse Gemeinden und Städte über Angebote im Bereich der psychischen Gesundheit verfügen. Es gilt daher, die aufgeführten Beispiele jeweils an den gemeindeeignen Kontext und die vorhandenen Ressourcen anzupassen. 

Gemeinden können nur dann wirksam handeln, wenn sie wissen, wie es den Kindern und Jugendlichen in ihrer Gemeinde wirklich geht. Der systematische Einbezug junger Menschen hilft, Belastungen früh zu erkennen, Bedürfnisse sichtbar zu machen und Massnahmen passend auszurichten.

Empfehlungen

  • Regelmässige Befragungen von Kindern und Jugendlichen oder alternativ Zurückgreifen auf bereits existierende Daten (Bsp. James Studie ), um Einblicke in das Wohlbefinden, die Lebensrealitäten und Belastungen von Kindern und Jugendlichen zu erhalten (z. B. mit geeigneten Befragungstools, in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen oder kantonalen Partner:innen).
  • Ergebnisse transparent machen und mit Kindern und Jugendlichen diskutieren, um Vertrauen zu schaffen und gemeinsam Prioritäten abzuleiten.
  • Kinder und Jugendliche in Lösungsfindungsprozesse einbeziehen, um Angebote bedürfnisorientiert (weiter-) zu entwickeln.
  • Peer-to-Peer Angebote: Gerade in Bezug auf das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen, kann der Einsatz von Peers, in diesem Kontext Gleichaltrigen oder unwesentlich älteren Personen, gewinnbringend sein.

Beispiele

  • Online Beteiligungsplattform engage.ch: Gemeinden können Kinder und Jugendliche können darüber gezielt nach ihren Ideen und Bedürfnissen für die Gemeinde fragen und sie diese auch priorisieren lassen.
  • Stadt Rapperswil-Jona: Führte eine grosse Jugendbefragung im Rahmen von Communities that Care (CtC) durch, um Bedürfnisse und Belastungen sichtbar zu machen. Die Resultate werde gezielt als Grundlage für die Planung und Weiterentwicklung von Präventionsmassnahmen und Angeboten genutzt.
  • Stadt Winterthur: erhebt regelmässig Daten zu den Lebensrealitäten von Jugendlichen (z.­­B. zu Wohlbefinden oder Belastungen) und nutzt diese als Grundlage, um Angebote und digitale Anwendungen (Bsp. Jugend-App) für Jugendliche bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
  • Stadt Bern: Beteiligte sich an der Corabe-Studie zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen nach der Corona-Pandemie und nutzt die Erkenntnisse für die Weiterentwicklung kommunaler Angebote.
  • Pro Mente Sana: Bietet peergestützte Beratung für psychisch belastete Menschen und deren Angehörige an, unterstützt durch spezifisch geschulte Peers.
  • Projekt Wellguides: Das Projekt wellguides.ch verfolgt das Ziel, psychische Gesundheitskompetenzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stärken. Dazu werden junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren als Multiplikator:innen (Wellguides) ausgebildet. Sie informieren Gleichaltrige im Rahmen von Workshops an Schulen und Hochschulen über psychische Gesundheit, sensibilisieren für das Thema und stellen konkrete Angebote zur Unterstützung vor.

Um verbindlich und langfristig Massnahmen treffen zu können, ist die Verankerung der psychischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in die Gemeindeentwicklung grundlegend. Dadurch wird eine klare Orientierung geschaffen und die Kontinuität über einzelne Projekte und Legislaturen sichergestellt.

Empfehlungen

  • Das Thema Psychische Gesundheit strategisch verankern, indem es in Strategien, Konzepte, Leitbilder, Legislaturziele oder Aktionspläne der Gemeinde aufgenommen wird.
  • Berücksichtigung der psychischen Gesundheit als spezifisches Thema in kommunalen Gesundheitskonzepten.
  • Bestehende Strategien und Projekte verknüpfen, um Synergien zu nutzen und Doppelspurigkeit zu vermeiden. Zum Beispiel in den Bereichen Kinderfreundliche Gemeinde, Gesundheitsförderung, Schule, Soziales oder Jugendarbeit.
  • Fortschritte regelmässig überprüfen, beispielsweise anhand von festgelegten Zielen oder Indikatoren. Ergebnisse transparent kommunizieren.

Beispiele

  • Gemeinde Rapperswil-Jona: Verankert die Förderung der psychischen Gesundheit im Kinder- und Jugendleitbild und überprüft die Umsetzung der definierten Massnahmen regelmässig.
  • Stadt Winterthur: Berücksichtigt psychische Gesundheit als Teil der strategischen Ziele in der Schul- und Jugendarbeit und bindet sie in bestehende Planungs- und Steuerungsinstrumente ein.

Für eine nachhaltige Verankerung der psychischen Gesundheit auf kommunaler Ebene braucht es klare Zuständigkeiten und funktionierende Austauschgefässe. Eine gut koordinierte Zusammenarbeit zwischen den relevanten Verwaltungsbereichen, lokalen und regionalen Akteur:innen ermöglicht es, Wissen zu bündeln, Lücken früh zu erkennen und Angebote aufeinander abzustimmen.

Empfehlungen

  • Klare Zuständigkeiten definieren, indem eine koordinierende Stelle (beispielsweise Beauftragte:r Gesundheitsförderung und Prävention) oder Fachgruppe benannt wird, die den Überblick behält und den Austausch sicherstellt.
  • Verbindliche und regelmässige Austauschgefässe etablieren, in denen relevante Akteur:innen (Schulen, Jugendarbeit, Gesundheits- und Sozialdienste sowie kantonale Stellen) zusammenkommen, mit klar definierten Rollen, Zuständigkeiten und einer strukturierten Nachverfolgung der Ergebnisse.

Beispiele

  • Stadt Winterthur: Die Stadt verfügt über eine Kinder- und Jugendbeauftragte, die gemeinsam mit der Kinder- und Jugendkommission (KiJuKo) den Austausch und die Koordination zwischen den relevanten Akteur:innen sicherstellt.
  • Stadt Bern: Eine interdisziplinäre Begleitgruppe mit Fachpersonen aus Jugendarbeit, Wissenschaft und Verwaltung begleitet die Umsetzung von Massnahmen und fördert die Abstimmung zwischen verschiedenen Bereichen.
  • Stadt Lausanne: Verfügt mit der Direction de l’enfance, de la jeunesse et des quartiers und dem Service quartiers, jeunesse et familles über einen eigenen städtischen Dienst, der die Politik für Kinder, Jugendliche und Quartiere entwickelt, Angebote koordiniert und als zentrale Anlaufstelle den Austausch zwischen Schulen, Jugendarbeit sowie Gesundheits  und Sozialdiensten sicherstellt.

In vielen Gemeinden stehen der Umsetzung von Massnahmen zum Schutz und der Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen gegenüber. Für eine wirksame und nachhaltige Umsetzung sind eine klare politische Priorisierung aber auch Unterstützung durch kantonale Strukturen und Ressourcen zentral. Ohne diese Voraussetzungen besteht das Risiko, dass kommunale Handlungsmöglichkeiten begrenzt bleiben.

Empfehlungen

  • Personelle und finanzielle Ressourcen sichern, indem entsprechende Mittel verbindlich im Gemeindebudget eingeplant werden.
  • Bestehende kantonale und nationale Förderprogramme und Kampagnen nutzen, und in der eigenen Gemeinde umsetzen.
  • Politische Entscheidungsträger:innen sensibilisieren. Das schafft Verständnis für die Relevanz des Themas und ermöglicht je nach dem eine längerfristige Finanzierung.

Beispiele

Gemeinden nutzen Förderprogramme von Kanton und Bund, etwa Angebote von Gesundheitsförderung Schweiz, Radix oder UNICEF Schweiz und Liechtenstein, um Projekte zur Prävention und Stärkung der psychischen Gesundheit umzusetzen oder weiterzuentwickeln.

Ein zentraler Ansatz sind die Kantonalen Aktionsprogramme (KAP) von Gesundheitsförderung Schweiz, die in Zusammenarbeit mit den Kantonen umgesetzt werden. Sie setzen Schwerpunkte in der Gesundheitsförderung – unter anderem im Bereich psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – und bieten eine wichtige Grundlage für kantonale Strategien sowie für die Umsetzung auf Gemeindeebene.

Ergänzend dazu bestehen Möglichkeiten der Projektförderung, über die Gemeinden konkrete Massnahmen finanziell unterstützen lassen können. Diese Förderinstrumente erleichtern es, bestehende Angebote auszubauen, neue Projekte zu pilotieren und bewährte Ansätze langfristig zu verankern.
 

Gemeinden können auf eine Vielzahl bestehender und bewährter Angebote, Materialien und Werkzeuge zurückgreifen, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen und zu fördern. Bestehende Initiativen und Programme ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg und unterstützen Gemeinden dabei, gezielt und wirksam zu handeln, ohne neue Angebote entwickeln zu müssen.

Empfehlungen & Angebote

Weiterbildung stärkt die Handlungssicherheit im Umgang mit psychischen Belastungen.

Praxisnahe Methoden unterstützen Fachpersonen dabei, psychische Gesundheit im Alltag zu thematisieren.

  • Das «Und du so?» Kartenspiel stärkt auf spielerische Weise die psychische Gesundheit. Durch das gemeinsame Spiel machen Kinder und Jugendliche neue Erfahrungen mit sich selbst und miteinander. Das Kartenspiel wurde von UNICEF Schweiz und Liechtenstein und dem Dachverband der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (DOJ) entwickelt.
  • «Und du so?» – Methodenkoffer für die Offene Jugendarbeit (DOJ)
  • Materialien und Programme von Radix und Gesundheitsförderung Schweiz
     

Digitale Angebote, Apps und anonyme Beratungsstellen ermöglichen frühzeitige Unterstützung und senken Hemmschwellen.

Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, psychische Gesundheit sichtbar zu machen und Gespräche zu erleichtern.

„Wie geht’s dir?“ – nationale Sensibilisierungskampagne mit Materialien für Bezugspersonen, Gemeinden oder Toolkits für Schulen und Arbeitgebende (Plakate, Social Media, Unterrichtsmaterialien, Gesprächshilfen)

Gesundheitsförderung und Prävention sind wichtige Bestandteile einer kommunalen Kinder- und Jugendpolitik. Es handelt sich dabei um eine Querschnittsaufgabe und erfordert die Zusammenarbeit einer Vielzahl an Akteurinnen und Akteuren. Mittels spezifischer Massnahmen lassen sich Risikofaktoren minimieren, was nicht nur Individuen, sondern der Gesellschaft als Ganzes zugutekommt. Eine starke kommunale Gesundheitspolitik trägt dazu bei, das Wohlbefinden aller Menschen zu verbessern und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Chancengerechtigkeit. 

Dabei müssen nicht alle Massnahmen gleichzeitig umgesetzt werden. Bereits einzelne, gezielt gewählte Schritte können einen konkreten Unterschied im Alltag von Kindern und Jugendlichen bewirken und einen wichtigen Beitrag zur Förderung ihrer psychischen Gesundheit leisten.

Quellen

  1. Title image: © UNICEF Schweiz und Liechtenstein / Chris Reist