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Minderjährige Flüchtlinge in Italien und Griechenland

25. Juli 2017 - 16:42

Viele der minderjährigen Flüchtlinge und Migranten, die sich derzeit in einem Aufnahmezentrum in Italien oder Griechenland aufhalten, hatten ursprünglich gar nicht Europa zum Ziel. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine neue Studie von UNICEF in Zusammenarbeit mit REACH.

Im Jahr 2016 wurden in Europa über 100 000 Flüchtlings- und Migrantenkinder registriert. Die meisten von ihnen kamen über Italien oder Griechenland. Um Informationen über ihre Fluchtgründe, ihre Erfahrungen unterwegs und ihr Leben in Europa zu gewinnen, führte UNICEF gemeinsam mit der Organisation REACH eine Studie durch. In den Aufnahmezentren von Italien und Griechenland wurden zu diesem Zweck insgesamt 850 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren befragt.

Die beiden Länder zeigen ein deutlich unterschiedliches Bild: Während in Griechenland in erster Linie Kinder aus Syrien, dem Irak und Afghanistan zusammen mit ihren Familien eintreffen, stammen die Minderjährigen in den italienischen Aufnahmezentren hauptsächlich aus afrikanischen Ländern und sind allein unterwegs.

In Italien gaben drei Viertel der vorwiegend männlichen Minderjährigen an, sich selbst für die Reise entschieden haben. Ein Drittel flüchtete wegen häuslicher Gewalt oder familiären Problemen, andere gaben Entbehrungen oder Verfolgung aus politischen, religiösen oder ethnischen Motiven als Fluchtgrund an. Jedes fünfte Mädchen wollte sich nicht zur Frühehe zwingen lassen. Auffällig ist, dass über die Hälfte der Befragten angaben, Europa sei ursprünglich gar nicht ihr Ziel gewesen. In vielen Fällen waren es erst die katastrophalen Zustände in Libyen, die den Ausschlag gaben, die gefährliche Fahrt übers Mittelmeer zu wagen.

Afshan Khan, UNICEF Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien, weist auf das überraschende Verhältnis von Push- und Pull-Faktoren hin: «Es gibt deutlich mehr Gründe, die Jugendliche aus ihrer Heimat vertreiben, als wir bisher angenommen haben», sagt sie. «Dafür sind die Anreize, die sie nach Europa locken, geringer als vermutet.»

Wer von Anfang an die Absicht hatte, in Europa ein neues Leben zu beginnen (46 Prozent der Befragten), hoffte in erster Linie auf bessere Bildungschancen und die Respektierung der Menschenrechte. «Leider sieht die Realität ganz anders aus, wenn die Jugendlichen hier ankommen, und ihre Erwartungen werden enttäuscht», sagt Afshan Khan.

In Griechenland gab ein Drittel der Eltern oder Erziehungsberechtigten an, bessere Bildungschancen für ihre Kinder seien der Hauptgrund für die Flucht nach Europa gewesen. Die Studie zeigt jedoch auch, dass unter anderem langwierige Asylverfahren und Unwissen über die eigenen Rechte dazu führen, dass viele Kinder und Jugendliche durch die Maschen des Systems fallen, monate- oder jahrelang nicht zur Schule gehen und stattdessen der Gefahr von Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt sind.


» Vollständiger Bericht «Children on the Move in Italy and Greece» (Juli 2017)
» Key Findings

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