Die Situation
Millionen Kinder sind von Mangelernährung betroffen – besonders in Somalia, im Sudan und im Gazastreifen
Mangelernährung gehört zu den stillen, aber tödlichsten Bedrohungen für Kinder weltweit. Laut dem aktuellen UN-Bericht The State of Food Security and Nutrition in the World (SOFI 2026) sind rund 150,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren chronisch mangelernährt – sie sind zu klein für ihr Alter. Weitere 42,8 Millionen Kinder sind akut mangelernährt und damit zu leicht für ihre Grösse. Besonders zugespitzt hat sich die Lage derzeit in Somalia, im Sudan und im Gazastreifen.
Somalia steht vor der schwersten Hungerkrise seit 2011
In Somalia hat sich eine Krise entwickelt, die viele im Land seit Jahren nicht mehr erlebt haben. Rund 6 Millionen Menschen – fast ein Drittel der Bevölkerung – sind von einer akuten Ernährungskrise betroffen. Besonders gefährdet sind kleine Kinder: Rund 1,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter Mangelernährung, bei mehr als 493 000 von ihnen ist die Form so schwer, dass sie ohne Behandlung lebensbedrohlich wird. Gleichzeitig fehlt vielerorts das Nötigste, um ihnen zu helfen: Über 500 Gesundheits- und Ernährungszentren mussten aufgrund von Finanzierungskürzungen bereits schliessen – ausgerechnet jetzt, wenn sie am meisten gebraucht werden. In den kommenden Monaten kommt eine weitere Unsicherheit hinzu: Durch das Klimaphänomen El Niño wird überdurchschnittlicher Regen erwartet, was neue Überschwemmungen, Krankheitsausbrüche und Vertreibung auslösen wird.
Auch im Sudan prägt der Krieg den Alltag von Kindern
Seit über drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg, der für Millionen Familien zur bitteren Normalität geworden ist. Rund 9,1 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht, viele von ihnen mussten bereits mehrfach fliehen. Wer den Kämpfen entkommt, trifft andernorts oft auf überlastete Dörfer und Lager. Fast 19,5 Millionen Menschen, zwei von fünf im Land, haben nicht genug zu essen. Für 2026 wird erwartet, dass rund 825 000 Kinder unter fünf Jahren an schwerer akuter Mangelernährung leiden werden. Gleichzeitig breiten sich Krankheiten wie Cholera aus, weil sauberes Wasser und Gesundheitsversorgung durch den Konflikt kaum noch erreichbar sind. Für Kinder heisst das: Krieg, Hunger und Krankheiten treffen gleichzeitig zusammen – und verstärken sich gegenseitig.
Im Gazastreifen bleibt die Lage kritisch
Nach der Waffenruhe vom Oktober 2025 hat sich die Ernährungssituation im Gazastreifen etwas entspannt. Humanitäre Organisationen haben wieder Zugang und Hilfslieferungen kommen wieder bei der Bevölkerung an. Eine Hungersnot wird aktuell nicht mehr festgestellt, die Situation bleibt aber alarmierend: Millionen Menschen sind weiterhin auf Hilfe angewiesen, und die zuletzt erzielten Fortschritte könnten bei erneuten Einschränkungen innerhalb kürzester Zeit wieder verloren gehen. Zwischen Mai 2026 und April 2027 dürften rund 74 200 Kinder zwischen 6 und 59 Monaten an akuter Mangelernährung leiden. Auch rund 24 600 schwangere und stillende Frauen benötigen in dieser Zeit zusätzliche Unterstützung.
Warum Mangelernährung für Kinder so gefährlich ist
Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet, eine Mangelernährung zu entwickeln. Man unterscheidet dabei zwischen akuter Mangelernährung (Wasting / Auszehrung), bei der ein Kind im Verhältnis zu seiner Grösse zu leicht ist, und chronischer Mangelernährung (Stunting / Wachstumsverzögerung), bei der ein Kind für sein Alter zu klein bleibt. Tritt eine dieser Mangelernährungsformen in den ersten Lebensjahren auf, kann dies die körperliche und psychische Entwicklung des Kindes lebenslang beeinträchtigen. Besonders gefährlich ist die schwere akute Mangelernährung: Sie schwächt das Immunsystem massiv und erhöht das Risiko, an häufigen Infektionskrankheiten wie Durchfall oder Lungenentzündung zu sterben, um das bis zu Elffache.
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Behandlung wirkt: Dank therapeutischer Spezialnahrung erholen sich 9 von 10 behandelten Kindern vollständig, oft innerhalb weniger Wochen. UNICEF ist weltweit der grösste Beschaffer dieser lebensrettenden Nahrung.
Konflikt, Klimakrise und Finanzierungslücken verschärfen die Not
Die Ursachen der Hungerkrisen in Somalia, im Sudan und in Gaza sind vielschichtig, aber eng miteinander verknüpft:
- Konflikt und Vertreibung: Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen zerstören Ernten, unterbrechen Versorgungswege und zwingen Familien zur Flucht.
- Klimakrise: Ausbleibender Regen und wiederkehrende Dürren – wie derzeit in Somalia – vernichten Ernten und Lebensgrundlagen; in anderen Regionen bedrohen Überschwemmungen die Nahrungsmittelversorgung.
- Wirtschaftliche Schocks: Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise machen Grundnahrungsmittel für die ärmsten Familien unbezahlbar.
- Fehlende Finanzierung: Weltweit sinken die humanitären Hilfsgelder. In Somalia mussten dadurch bereits über 500 Gesundheits- und Ernährungszentren schliessen.
So helfen Sie mit Ihrer Spende
Jedes Kind verdient eine Kindheit ohne Hunger. Dank Ihrer Hilfe kann UNICEF weltweit folgende Massnahmen gegen Mangelernährung ergreifen:
Schwere akute Mangelernährung ist ein medizinischer Notfall. UNICEF behandelt betroffene Kinder mit therapeutischer Milch, therapeutischer Spezialnahrung sowie mit Medikamenten und medizinischer Versorgung. Die Spezialnahrung ist speziell auf die Bedürfnisse stark geschwächter Kinder abgestimmt und enthält lebenswichtige Nährstoffe. Da viele Kinder zusätzlich an Infektionen wie Durchfall oder Lungenentzündung leiden, umfasst die Behandlung auch die Versorgung von Komplikationen. Häufig ist nicht der Hunger allein, sondern eine Infektion die unmittelbare Todesursache.
UNICEF liefert Gesundheitsdienste und lebensrettende Medikamente. In vielen Ländern fehlt eine rechtzeitige medizinische Behandlung, wodurch sich der Zustand der Kinder immer weiter verschlechtert.
Versorgung von schwangeren Frauen und stillenden Müttern mit Mikronährstoffen, Wurmkuren, medizinischer Versorgung und der Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitaminen und Nährstoffen.
Schulung von Gesundheitsmitarbeitenden und Eltern, damit diese bereits frühzeitig gesundheitliche Probleme ihrer Kinder erkennen können. Zum Beispiel im Umgang mit einem speziellen Massband zur Messung des Armumfangs, welches anzeigt, ob die Kinder therapeutische Spezialnahrung brauchen.
UNICEF arbeitet mit den Behörden vieler Länder zusammen, um soziale Grundsicherungssysteme für die ärmsten Familien aufzubauen. Dazu gehören auch Bargeldauszahlungen, damit sie lebenswichtige Dinge wie Essen, Wasser, Kleidung oder Gesundheitsversorgung bezahlen können.