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Meilenstein im Kinderschutz: Gewaltfreie Erziehung neu im Gesetz

Die gesetzliche Verankerung der gewaltfreien Erziehung ist ein Meilenstein für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Nach dem Nationalrat hat nun auch der Ständerat der Änderung im Zivilgesetzbuch (ZGB) zugestimmt. Diese Gesetzesänderung ist ein wichtiger Fortschritt, aber es braucht weiterhin Massnahmen, um Gewalt in der Erziehung wirksam zu verhindern.

Ein Mann trägt ein kleines Mädchen auf seinen Schultern.

Die Schweiz kommt damit ihrer Verpflichtung nach, Kinder vor jeder Form von Gewalt zu schützen, die sie mit der Ratifikation der UN-Konvention über die Rechte des Kindes 1997 eingegangen ist.

Wirksamer Schutz vor Gewalt

Aktuelle Zahlen zeigen: Körperliche und besonders psychische Gewalt in der Erziehung sind weiterhin verbreitet.  Rund ein Viertel der Kinder erlebt verbale Herabsetzungen, lautes Anschreien oder Bedrohungen durch ihre Eltern. 7.4% der Kinder erleben regelmässig körperliche Strafen und Erziehungsmassnahmen. 

Das Strafrecht verbietet zwar bereits körperliche und psychische Misshandlung von Kindern. Dennoch reicht dieser Schutz nicht aus – auch, weil viele Kinder keine strafrechtliche Verfolgung ihrer Eltern wünschen, sondern vor allem wollen, dass die Gewalt aufhört. Die Ergänzung im ZGB hat deshalb vor allem eine präventive Wirkung: Sie setzt einen klaren gesellschaftlichen Rahmen für gewaltfreie Erziehung.

Eine Studie aus Deutschland stellt fest, dass nach der gesetzlichen Verankerung die Zahlen von Gewalt in der Erziehung stark zurückgingen. Allerdings bleiben nach der anfänglichen Reduktion weiterhin relativ hohe Zustimmungsraten besonders bei „leichten“ Körperstrafen.  Die gesetzliche Verankerung des Grundsatzes der Gewaltfreien Erziehung allein reicht also nicht aus.  

Unterstützungsangebote, Sensibilisierung und Prävention

Daher begrüsst UNICEF Schweiz und Liechtenstein, dass das ZBG mit einem weiteren Absatz ergänzt wird, der die Kantone in die Pflicht nimmt, Eltern und Kindern Zugang zu Beratungsstellen zu ermöglichen. Gewalt in der Erziehung entsteht oft aus Überforderung. Deshalb braucht es niederschwellige Unterstützungsangebote für Eltern und Kinder.

Gleichzeitig ist eine breite Sensibilisierung zentral, um ein gesellschaftliches Umdenken zu erreichen. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass nicht nur das Ausmass körperlicher Gewalt diskutiert werden sollte, sondern vor allem die Achtung der Menschenwürde von Kindern im Fokus stehen muss.