Statement

Kinder und Jugendliche im Zentrum der Nationalen Präventionsstrategie 2040

Das Thema Gesundheitsförderung und Prävention steht derzeit auf der politischen Agenda: Das Bundesparlament befasst sich im Rahmen einer Motion sowie der Überarbeitung bestehender Gesundheitsstrategien damit. Mit der Motion 24.3736 soll der Bundesrat beauftragt werden, bis 2040 eine nationale Strategie in diesem Bereich zu entwickeln.

 

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Prävention ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitspolitik. Sie zielt darauf ab, Krankheiten vorzubeugen, gesundheitliche Risiken zu verringern und die Lebensqualität der Menschen langfristig zu verbessern. Prävention ist dann wirkungsvoll, wenn sie früh ansetzt und einer Strategie folgt. Besonders in der Kindheit und Jugend können präventive Massnahmen entscheidend dazu beitragen, gesundheitliche Risiken zu verringern und gleichzeitig die Chancengerechtigkeit in einer Gesellschaft zu fördern. Das Bundesparlament befasst sich zurzeit im Rahmen einer Motion und anlässlich der Überarbeitung bestehender Gesundheitsstrategien intensiv mit dem Thema. Mit der Motion 24.3736 soll der Bundesrat beauftragt werden, bis 2040 eine nationale Strategie für Gesundheitsförderung und Prävention zu erarbeiten. Ziel ist es gemeinsam mit Kantonen, Gesundheitsligen und weiteren Akteuren, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken, wirksame Massnahmen besser zu koordinieren und bestehende Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Die neue Strategie soll den Übergang von der bestehenden NCD-Strategie (Nichtübertragbare Krankheiten) und der Strategie Sucht zu einer kohärenten, zukunftsorientierten Präventionsstrategie ermöglichen. Denn beide Strategien laufen 2028 aus und müssen abgelöst werden.

UNICEF Schweiz und Liechtenstein begrüsst das Grundanliegen der Motion. Eine solche Strategie bietet die Chance, Kinder und Jugendliche endlich systematisch in den Mittelpunkt der Gesundheitspolitik zu rücken. Sie sind nicht nur besonders schützenswert, sondern befinden sich in einer Lebensphase, in der sich die Grundlagen für langfristige Gesundheit und soziale Entwicklung formen. UNICEF betont seit vielen Jahren, dass Investitionen in die frühe Kindheit und Jugendphase entscheidend sind, um langfristige Gesundheit, Bildungserfolg und soziale Teilhabe zu fördern. Diese Lebensabschnitte sind prägend für das gesamte weitere Leben und was hier versäumt wird, lässt sich später nur schwer ausgleichen.

Die Schweiz hat sich mit der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet, das Recht jedes Kindes auf Gesundheit und Schutz zu gewährleisten.
Artikel 24 verpflichtet die Vertragsstaaten, Krankheiten vorzubeugen, eine gesunde Entwicklung zu fördern und den Zugang zu Gesundheitsdiensten sicherzustellen. Eine neue nationale Präventionsstrategie ist auch eine Gelegenheit, diese Verpflichtungen konkret umzusetzen und sicherzustellen, dass Kinder und Jugendliche als eigenständige Akteurinnen und Akteure mit eigenen Rechten einbezogen werden.

Die systematische Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen als eigene Zielgruppe weist in den bestehenden Strategien und Programmen noch Lücken auf. Dies gilt es gezielt zu verbessern:

So ist beispielsweise die Förderung in den ersten Lebensjahren bislang nicht systematisch verankert. Dabei ist gerade die frühe Kindheit entscheidend für eine wirksame Prävention: In diesen Jahren werden die Grundlagen für körperliche, emotionale und soziale Gesundheit gelegt. Früh investierte Massnahmen fördern Chancengerechtigkeit, stärken Schutzfaktoren und verringern langfristig gesundheitliche Risiken. 

Die psychische Gesundheit von jungen Menschen erhält zudem nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl seit Langem auf die Dringlichkeit des Themas hingewiesen wird.  Laut dem neusten Nationalen Gesundheitsbericht 2025 des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigen sich bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhöhte Depressionssymptome im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. Der Bericht betont die Bedeutung von Früherkennung, Frühintervention und der Förderung psychischer Gesundheitskompetenz, um langfristige Belastungen zu verhindern. Schulen, Gemeinden und Jugendorganisationen spielen hier eine Schlüsselrolle: Sie sind Orte, an denen Prävention wirken kann. Vorausgesetzt, sie werden in eine nationale Strategie eingebunden. 

Auch bei der Datengrundlage gibt es Nachholbedarf. Lückenhafte Daten erschweren es, gesundheitliche Entwicklungen zu erkennen und den Erfolg bestehender Programme zu beurteilen. Nationale Erhebungen sind zudem oft unregelmässig oder zwischen den Kantonen kaum vergleichbar. Ohne verlässliches Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit ist es jedoch schwierig, Fortschritte zu messen und wirksame Massnahmen gezielt einzusetzen.

Damit die neue Präventionsstrategie langfristig Wirkung zeigt, muss aus Sicht von UNICEF Schweiz und Liechtenstein die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen eine zentrale Rolle spielen. Bei der Ausarbeitung der Präventionsstrategie müssen dafür folgende Aspekte berücksichtigt werden: 

  • Kinder und Jugendliche gezielt einbeziehen: Sie müssen ausdrücklich als eigenständige Zielgruppe benannt und altersgerecht angesprochen und in die Ausarbeitung involviert werden. Prävention wirkt am stärksten, wenn sie an die Lebensphase und den Entwicklungsstand angepasst ist.
  • Frühe Kindheit systematisch fördern: Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für Gesundheit und Chancengerechtigkeit. Elternbildung, Früherkennung und gezielte Unterstützung müssen national abgestützt und lokal verankert werden.
  • Psychische Gesundheit stärken: Psychische Gesundheit muss als zentrales Handlungsfeld der neuen Präventionsstrategie verankert werden. Es braucht koordinierte, zugängliche und altersgerechte Unterstützungsangebote sowie gezielte Massnahmen zur Früherkennung und Entstigmatisierung.
  • Monitoring und Daten verbessern: Ein nationales Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit ist zentral, um Fortschritte messbar zu machen und gezielt steuern zu können.
  • Chancengerechtigkeit fördern: Präventionsangebote sollen alle Kinder erreichen – unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Wohnort. Eine nationale Strategie muss ein besonderes Augenmerk auf gerechte Zugänge legen, damit kein Kind zurückgelassen wird.

Eine ganzheitliche Präventionsstrategie ist nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vorausschauend. Wenn Kinder gesund aufwachsen, sinkt langfristig das Risiko für chronische Erkrankungen und soziale Folgekosten. Im aktuellen Diskurs steht häufig die Effizienz bestehender Massnahmen im Vordergrund. Doch gerade wirksame Prävention ist langfristig auch die effektivste und somit effizienteste: Sie vermeidet Folgekosten, stärkt die Gesundheit der Bevölkerung und schafft nachhaltigen gesellschaftlichen Nutzen. Aus Sicht von UNICEF Schweiz und Liechtenstein ist entscheidend, dass Prävention konsequent auf Wirkung, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit ausgerichtet wird.


UNICEF Schweiz und Liechtenstein empfiehlt den Vertreterinnen und Vertretern des Nationalen Parlaments, die Motion 24.3736 zu unterstützen. Ihre Annahme wäre ein wichtiger Schritt, um die Präventionspolitik in der Schweiz neu auszurichten und langfristig zu stärken. Entscheidend ist dabei, dass Kinder und Jugendliche in allen weiteren Prozessschritten und in der finalen Strategie klar im Fokus stehen und eine eigene Zielgruppe darstellen.