Nach dem Erdbeben in Afghanistan sind 400 000 Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten der Provinzen Kunar und Nangarhar auf lebensrettende humanitäre Hilfe angewiesen, darunter über 212 000 Kinder.
Ein starkes Erdbeben der Stärke 6,0, mit mehreren schweren Nachbeben, hat am 31. August die afghanischen Provinzen Kunar und Nangarhar erschüttert. UNICEF hat einen humanitären Hilfsplan in Höhe von 22 Millionen US-Dollar aufgestellt, um die dringendsten Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Familien zu decken.
Die Erdbeben haben mehr als 2 200 Menschenleben gefordert, über 3 000 Menschen verletzt und mindestens 6 700 Häuser vollständig oder teilweise zerstört. Die Überlebenden, von denen viele in abgelegenen, bergigen Regionen mit eingeschränktem Zugang leben, sind nun mit dem Herannahen des Winters und sinkenden Temperaturen grossen Gefahren ausgesetzt.
«Die geografische Isolation, die begrenzte Infrastruktur und die sehr konservativen sozialen Normen machen dies zu einer der komplexesten Nothilfemassnahmen, mit denen wir je konfrontiert waren», sagte Dr. Tajudeen Oyewale, UNICEF-Vertreter in Afghanistan. «Trotz dieser Herausforderungen waren UNICEF und unsere Partner vom ersten Tag an vor Ort und versorgten Kinder und Familien in Not mit medizinischer Hilfe, sauberem Wasser, psychosozialer Unterstützung und lebenswichtigen Hilfsgütern. Aber es muss noch viel mehr getan werden. Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, diesen Gemeinden beizustehen und uns dabei zu helfen, die Kinder zu schützen, bevor der strenge Winter einsetzt.»
Dringende Bedürfnisse und Prioritäten der Hilfsmassnahmen
Der sechsmonatige Erdbeben-Hilfsplan von UNICEF zielt darauf ab, 400 000 Menschen, darunter über 212 000 Kinder, in den am stärksten zerstörten Distrikten wie Chapadara, Nurgal und Chawkay zu erreichen. Zu den geplanten Massnahmen gehören:
- Ausweitung des Zugangs zu medizinischer Notfallversorgung: Stärkung der stationären Gesundheitseinrichtungen und Einsatz zusätzlicher mobiler Gesundheitsteams, um Traumaversorgung, Leistungen für Mütter und Neugeborene, sowie wichtige Medikamente bereitzustellen.
- Zugang zu sauberem Wasser: Sanierung der Wasserversorgungssysteme und Einrichtung von Notwasserstellen, um Ausbrüche von akutem Durchfall zu verhindern.
- Verbesserung der Sanitätsversorgung und Hygiene: Reparatur von WASH-Einrichtungen in Schulen und Gesundheitszentren und Verteilung von Hygiene-Sets mit Seife und anderen wichtigen Hygieneartikeln.
- Bekämpfung von Mangelernährung: Untersuchung und Behandlung von Kindern mit akuter Mangelernährung, die sich durch Vertreibung und Nahrungsmittelknappheit verschlimmern könnte.
- Finanzielle Soforthilfe: Unterstützung von 13 200 bedürftigen Haushalten mit Notfall-Bargeldtransfers, um den unmittelbaren Bedarf zu decken und sich auf die Wintermonate vorzubereiten.
- Psychosoziale Unterstützung: Einrichtung kinderfreundlicher Räume und Aufstockung der Zahl ausgebildeter Sozialarbeiter – insbesondere weiblicher Mitarbeiterinnen –, um Kindern und ihren Familien psychologische Unterstützung zu bieten.
- Sicherstellung der Kontinuität der Bildung: Einrichtung temporärer Lernräume, während beschädigte Schulen begutachtet und repariert werden.
Grosse Herausforderungen
Die betroffenen Regionen gehören zu den abgelegensten in Afghanistan, mit steilem Berggelände, eingeschränktem Strassenzugang und tief verwurzelten kulturellen Normen, die die Mobilität von Frauen und Mädchen einschränken. Dies macht die Bereitstellung humanitärer Hilfe nicht nur logistisch schwierig, sondern auch sozial heikel. UNICEF priorisiert den Einsatz von weiblichen Gesundheitsfachkräften und Sozialdienstleisterinnen, um einen sicheren und gleichberechtigten Zugang für Frauen und Mädchen zu gewährleisten.
Viele Überlebende, darunter auch Kinder, sind bereits in Siedlungen im Tal umgezogen, wo humanitäre Organisationen ihnen besser Unterkünfte, Nahrung, sauberes Wasser und psychosoziale Unterstützung bereitstellen können. Da der Winter jedoch schnell näher rückt, muss die Hilfe dringend ausgeweitet werden, bevor sich die Lage weiter verschlechtert.
UNICEF fordert Geber und Partner dringend auf, schnell zu handeln. Mit ausreichenden Finanzmitteln können wir die unmittelbaren und langfristigen Bedürfnisse der von dieser Katastrophe betroffenen Kinder und Familien decken und sicherstellen, dass sie angesichts der extremen Not nicht zurückgelassen werden.