Nach über 900 Tagen brutaler Kämpfe steht der Sudan am Rande eines humanitären Zusammenbruchs. Millionen Menschen sind von Hunger, Vertreibung, Krankheiten und dem Kollaps lebenswichtiger Dienste betroffen.
Vier UN-Organisationen – die Internationale Organisation für Migration (IOM), das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), UNICEF und das Welternährungsprogramm (WFP) – rufen die internationale Gemeinschaft zu sofortigem Handeln auf. Mit über 30 Millionen Menschen in Not, davon die Hälfte Kinder und 9,6 Millionen Binnenvertriebenen zählt der Sudan zu den grössten humanitären Krisen weltweit.
Seit Jahresbeginn sind mehr als eine Million Menschen nach Khartoum zurückgekehrt, landesweit rund 2,6 Millionen. Viele finden ihre Häuser und Viertel zerstört vor, ohne funktionierende Wasser- und Gesundheitsversorgung. Vierzehn von siebzehn Millionen Schulkindern können keine Schule besuchen. Hungersnot-ähnliche Zustände dauern an, Mangelernährung und Krankheiten wie Cholera, Dengue und Malaria breiten sich ungehindert aus.
In Darfur und den Kordofan-Staaten verschärft sich die Lage indes weiter. In Al Fasher sind 260 000 Zivilpersonen, darunter 130 000 Kinder, seit über 16 Monaten eingeschlossen – ohne Zugang zu Nahrung, Wasser oder medizinischer Hilfe. Gesundheitszentren sind zerstört, Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung bleiben ohne Behandlung. Berichte über Tötungen, sexuelle Gewalt und Zwangsrekrutierungen nehmen täglich zu.
«Die Rückkehr vieler Familien nach Khartoum ist ein Zeichen von Widerstandskraft – und zugleich eine Warnung», sagte Ugochi Daniels, stellvertretende Generaldirektorin der IOM. «Ihr Überlebenswille ist beeindruckend, doch das Leben bleibt extrem fragil.»
«Dies ist eine der schlimmsten humanitären Krisen seit Jahrzehnten», erklärte Kelly T. Clements, stellvertretende Hochkommissarin des UNHCR. «Millionen sind im Land und über die Grenzen hinaus vertrieben, viele ohne jegliche Unterstützung.»
Ted Chaiban, stellvertretender Exekutivdirektor von UNICEF, betonte: «Kinder hungern, sind krank und Gewalt ausgesetzt. Der Mut der Familien muss endlich mit entschlossenem globalem Handeln beantwortet werden.»
Auch Valerie Guarnieri, stellvertretende Exekutivdirektorin des WFP, berichtete von «einer vom Krieg verwüsteten Stadt – aber auch von Entschlossenheit und Hoffnung».
Der Humanitäre Reaktionsplan 2025 über 4,2 Milliarden US-Dollar ist erst zu 25 Prozent finanziert. Ohne zusätzliche Mittel drohen lebensrettende Programme eingestellt zu werden. Unsicherheit, bürokratische Hürden und eingeschränkter Zugang behindern den Hilfseinsatz zusätzlich.
Die vier Organisationen fordern:
- sofortige Waffenruhe und Schutz der Zivilbevölkerung, insbesondere der Kinder;
- ungehinderten humanitären Zugang und vereinfachte Verfahren für Hilfseinsätze;
- dringende, flexible Finanzierung der Hilfsoperationen;
- nachhaltige Lösungen für Vertriebene und Rückkehrende;
- fortgesetzten Schutz für rund 900 000 Flüchtlinge im Land.
IOM, UNHCR, UNICEF und WFP bekräftigen ihre Entschlossenheit, gemeinsam lebenswichtige Hilfe zu leisten. Die humanitäre Gemeinschaft steht bereit – doch sie kann nicht allein handeln. Die Welt muss jetzt handeln.