Kinder in Haiti: Nach dem Erdbeben droht Cholera

Mehr als eine halbe Million Kinder im Südwesten von Haiti haben seit dem Erdbeben keinen Zugang mehr zu Unterkünften, Trinkwasser und Hygieneeinrichtungen. Dies hat zur Folge, dass die Gefahr einer Ansteckung mit durch Wasser übertragbare Krankheiten steigt. 

Anstehen für Hygiene-Kits
Eine junge Mutter und ihr Baby stehen in Les Cayes Schlange, um Hygienepakete zu erhalten.
Erdbeben Haiti
Valere, Les Cayes am 18. August 2021: lebenswichtige Hilfsgüter, darunter Non-Food-Artikel wie Planen und wichtige Hygienesets (Eimer, Toilettenpapier, Zahnpasta, Zahnbürste, Gesichtsmasken usw.) werden verteilt.
Wasserversorgung nach Erdbeben in Haiti
Wasserstation in Marceline. Jede Station fasst zehntausend Liter Wasser, mit denen 250 Familien versorgt werden können.
Erdbeben Haiti
Eine Familie in Capicot in Camp-Perrin steht vor ihrem stark beschädigten Zuhause.
Erdbeben Haiti
Provisorische Unterkunft nach dem Erdbeben.
Haiti Erdbeben 2021
Helfer durchsuchen die Trümmer des ehemaligen Hotels Manguier nach dem Erdbeben am 14. August 2021 in Les Cayes im Südwesten Haitis.
Erdbeben Haiti 2021

Das Erdbeben vom 14. August zerstörte grosse Teile der Infrastruktur im Südwesten von Haiti. Auch Gesundheitseinrichtungen sind betroffen. Vor dem Erdbeben verfügte lediglich etwas mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen in den drei am stärksten betroffenen Departements über einen grundlegenden Zugang zu Wasserdienstleistungen. Nach dem Erdbeben haben fast 60 Prozent der Menschen in dieser Region keinen Zugang zu sauberem Wasser. Tausende von Menschen, deren Häuser eingestürzt sind, haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, was zum Teil auf die durch das Erdbeben verursachten Schäden zurückzuführen ist.

Rund 540 000 Kinder laufen deshalb Gefahr, sich mit Cholera, anderen Durchfallerkrankungen, Malaria oder Atemwegsinfektionen anzustecken. «Das Leben Tausender vom Erdbeben betroffener Kinder und Familien ist jetzt in Gefahr, nur weil sie keinen Zugang zu sicherem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene haben», so Bruno Maes, UNICEF-Vertreter in Haiti. «Seit Februar 2019 wurde in Haiti keine Cholera mehr gemeldet, doch ohne dringende und entschlossene Massnahmen ist das erneute Auftreten von Cholera und anderen durch Wasser übertragbaren Krankheiten eine reale Bedrohung, die von Tag zu Tag zunimmt.»

Bruno Maes nach Erdbeben in Haiti
Der Vertreter von UNICEF Haiti, Bruno Maes, begutachtet einen Tag nach dem Erdbeben die Schäden am College Mazenod in Camp-Perrin, Les Cayes, Haiti.

Gemeinsam mit der Nationalen Direktion für Wasser und Sanitärversorgung (DINEPA) und Partnern aus der Zivilgesellschaft will UNICEF den Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene für die betroffenen Familien verbessern: 

  • Rund 73 600 Menschen erhalten Zugang zu sicherem Wasser durch Wassertransportsysteme, sechs Wasseraufbereitungsanlagen und zweiundzwanzig Wasserbeutel.
  • Mehr als 35 200 Menschen profitierten von der Verteilung von rund 7 000 Hygienesets, darunter Wasseraufbereitungsprodukte für den Haushalt, Seife, Wasserspeicher, Handwaschvorrichtungen und Hygieneunterlagen.

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat UNICEF mehr als 65 000 Wasserreinigungstabletten, 41 Wasserbeutel, drei Wasseraufbereitungsanlagen und Hygienesets für Familien verschickt. UNICEF hat bereits 31 200 zusätzliche Hygienesets bestellt. UNICEF ist die einzige UN-Organisation, die die betroffene Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgt und will 500 000 Menschen mit der WASH-Hilfe erreichen.

«Unsere Bemühungen, mehr sauberes Trinkwasser zu liefern, entsprechen nicht dem dringenden Bedarf in allen betroffenen Gebieten», so Maes. «In einigen haitianischen Gemeinden wächst die Ungeduld und manchmal auch die Frustration, und das ist verständlich. Aber es hilft nicht, die Hilfsmassnahmen zu behindern. In den vergangenen Tagen mussten mehrere Verteilungen von lebenswichtigen Hygieneartikeln vorübergehend eingestellt werden, da es vor Ort zu Spannungen kam. Zusammen mit finanziellen Engpässen bremst die Unsicherheit derzeit unsere lebensrettenden Massnahmen vor Ort.»

UNICEF fordert die lokalen Behörden auf, sichere Bedingungen für die Arbeit der humanitären Organisationen zu schaffen und die Hilfsmassnahmen für die vom Erdbeben betroffenen Gemeinden auszuweiten. Das Erdbeben vom 14. August hat die ohnehin schon schwierige humanitäre Lage in Haiti weiter verschärft, die durch die anhaltende politische Instabilität, die sozioökonomische Krise und die zunehmende Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung, die bandenbedingte Gewalt und Binnenvertreibung, die Covid-19-Pandemie sowie den haitianisch-dominikanischen Migrationsstrom geprägt ist.