75 Jahre UNICEF

damals und heute

75 Jahre UNICEF - damals und heute

Knapp 75 Jahre liegen zwischen den beiden Fotos oben. Die Welt hat sich in dieser Zeit stark gewandelt - aber einige Dinge sind immer noch gleich. So leiden Kinder in Notsituationen nach wie vor am meisten. So wie die beiden Mädchen im Bild oben: das vertriebene Kleinkind in Deutschland im Jahr 1946 oder das äthiopische Flüchtlingsmädchen in einem Camp in Sudan Ende 2020. 

Damit Mädchen und Buben in Not geholfen wird, wurde am 11. Dezember 1946 das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen («United Nations International Children’s Emergency Fund», kurz UNICEF) gegründet. Die Idee dahinter war, nach dem Zweiten Weltkrieg den hungernden und kranken Kindern im zerstörten Europa zu helfen. Diese Hilfe sollte allen Kindern zugutekommen – unabhängig davon, welche Rolle ihr Heimatland im Krieg gespielt hatte. In der Gründungserklärung heisst es: «Die Hoffnung der Welt richtet sich auf die kommenden Generationen.» Seither hat sich die Welt dramatisch verändert – aber die Mission von UNICEF ist heute genauso dringend wie damals. 


Timeline

Der Internationale Kindernothilfefonds (International Children's Emergency Fund, ICEF) wird von der UN-Hilfsrehabilitationsverwaltung eingerichtet, um vom Zweiten Weltkrieg betroffenen Kindern zu helfen. ICEF ist für die Gesundheit von Kindern im Allgemeinen bestimmt, und die Hilfe soll ohne Diskriminierung an alle Kinder verteilt werden. 

Am 11. Dezember 1946 wird das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) durch eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. 

  • Der erste private Beitrag an UNICEF geht ein. Bis heute ist UNICEF auf Millionen von Unterstützerinnen und Unterstützern angewiesen, die helfen, das Leben von Kindern zu verbessern.
  • Im selben Jahr wird in den Vereinigten Staaten das erste UNICEF-Nationalkomitee gegründet. Nationalkomitees sind ein unterstützendes Netzwerk unabhängiger Wohltätigkeitsorganisationen, die Gelder sammeln, um die Arbeit von UNICEF auf der ganzen Welt zu fördern.

Die erste UNICEF-Grusskarte wird herausgegeben. Deren Verkauf wird bald zu einer der grössten und dauerhaftesten Spendenaktionen der Organisation. 

© UNICEF/UNI41744/Antonelli
Die erste UNICEF-Grusskarte ist eine Zeichnung eines siebenjährigen Mädchens aus der damaligen Tschechoslowakei.

UNICEF wird eine ständige Organisation der Vereinten Nationen. Die Worte «International» und «Notfall» werden aus dem offiziellen Namen gestrichen, aber das Akronym UNICEF wird beibehalten.

Die Erklärung der Rechte des Kindes der Vereinten Nationen definiert die Rechte der Kinder auf Schutz, Bildung, Gesundheitsversorgung, Unterkunft und gute Ernährung.

UNICEF weitet seinen Schwerpunkt auf die Bildung von Kindern aus. Programme zur Unterstützung werden weltweit lanciert und dauern noch Jahre an. 

© UNICEF/UNI99955/Unknown
UNICEF-Exekutivdirektor Henry Labouisse (links) nimmt in Norwegen den Friedensnobelpreis entgegen.

Der Friedensnobelpreis wird an UNICEF für die «Förderung der Brüderlichkeit unter den Nationen» verliehen. Die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis würdigt die Arbeit für Kinder als Arbeit für den Frieden. 
 

Henry Labouisse

«Das Wohl der Kinder von heute ist untrennbar mit dem Frieden der Welt von morgen verbunden.»

Henry Labouisse, Exekutivdirektor von UNICEF (1965-1979)

UNICEF leistet während des Vietnamkriegs Soforthilfe, sowohl für Nord- als auch für Südvietnam und hält so an seiner Philosophie der unpolitischen und diskriminierungsfreien Hilfe fest. 

Durchfallerkrankungen sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Deshalb entwickelt UNICEF eine Mischung aus Salzen und Glukosen: die orale Rehydrationstherapie ist geboren und rettet seither Millionen Kinderleben. 
 

© UNICEF/UNI24151/Schytte
Ein Junge in Indien bekommt Rehydrationssalz.

Im Zuge der rasch fortschreitenden demografischen Entwicklung und Verstädterung sind Kinder grossen Gefahren in Bezug auf ihre Entwicklung und ihr Wohlergehen ausgesetzt. UNICEF startet weltweit Programme, um das Leid der Kinder in städtischen Elendsvierteln zu beenden.  

© UNICEF/UNI52133/Colvey
1992 in Indien: Zwei Buben stehen in der Hauptstadt Neu-Delhi vor anderen Familien, die ebenfalls auf der Strasse leben.

Um der schweren Dürre und Wasserknappheit in Indien zu begegnen, entwickelte UNICEF zusammen mit der WHO die Wasser-Handpumpe Mark II. Die bis heute weltweit am häufigsten eingesetzte Wasserpumpe verbessert das Leben von Millionen Menschen. In nur 20 Jahren wurden über 1 Million Pumpen hergestellt.

 

© UNICEF/UNI43280/Wolff
  • Nach dem Sturz des Regimes der Roten Khmer kehrt UNICEF als eine der ersten Organisationen nach Kambodscha zurück und leitet die dringend benötigte Nothilfe ein. 
  • Die Vereinten Nationen erklären 1979 zum Internationalen Jahr des Kindes, um das Bewusstsein für die Bedingungen zu schärfen, denen die Kinder in der Welt ausgesetzt sind, und um Massnahmen zur Förderung der Kinderrechte anzuregen. 
     

Um das Überleben von Kindern unter 5 Jahren zu sichern, startet UNICEF die GOBI-Kampagne: Wachstum, Überwachung, Rehydrierung, Stillen und Impfen gehören zu den Hauptpfeilern des neuen Ansatzes. 

Ein Waffenstillstand im Bürgerkrieg in El Salvador, der auf den von der UNICEF unterstützten Konzepten «Kinder als Zone des Friedens» und «Perioden der Ruhe» für humanitäre Hilfe basiert, ermöglicht eine dreitägige Massenimpfung von Kindern. Dieser Ansatz wird später im Libanon (1987), im Sudan (1989), im Irak (1991) und anderswo mit zunehmender Häufigkeit bis in die 1990er Jahre hinein angewandt.

© UNICEF/UNI98143/Gray
UNICEF unterstützte das Gesundheitsministerium bei seiner beispiellosen landesweiten Impfkampagne zum Schutz von 400 000 Kindern gegen Diphtherie, Masern, Polio, Tetanus und Keuchhusten.

Das Internationale Kinderentwicklungszentrum Innocenti wird im historischen Innocenti-Gebäude in Florenz, Italien, eingerichtet. Seither betreibt das Zentrum innovative, politikrelevante Forschung für UNICEF und die breitere Gemeinschaft.

Ein Meilenstein für die Rechte von Kindern weltweit: 159 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verabschieden die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Sie garantiert jedem Kind das Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung.
Dieses weltweite «Grundgesetz» für Kinder ist bis heute die wichtigste Grundlage der UNICEF-Arbeit.

1990 sterben weltweit noch jeden Tag 40 000 Kinder, bevor sie das sechste Lebensjahr erreichen. UNICEF versammelt 150  Staats- und Regierungschefs auf dem ersten Weltkindergipfel in New York, um gemeinsam Lösungen zu finden. Nie zuvor hatten sich so viele Vertreter der unterschiedlichsten Staaten gemeinsam mit einem Thema befasst.

© UNICEF/UNI16317/UNICEF Photographer
Das offizielle Foto der Staats- und Regierungschefs, die am Weltkindergipfel im Hauptquartier der Vereinten Nationen vom 29. bis 30. September 1990 teilnahmen.

Bis Ende 1993 ist die Lebenserwartung in den Entwicklungsländern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs um etwa ein Drittel gestiegen. Die Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate wurde halbiert, der Anteil der Kinder, die eine Schule beginnen, ist von 50 Prozent auf 75 Prozent gestiegen, und der Zugang zu sauberem Trinkwasser für Familien in ruralen Gebieten ist von nur 10 Prozent auf fast 60 Prozent gestiegen.

UNICEF und UNESCO erfinden die School-in-a-Box, um Kindern in humanitären Krisen eine ununterbrochene Ausbildung zu ermöglichen. Neben Papier und Stiften enthält die Box Spielzeuge, ein Radio und eine Farbdose, die jede flache Oberfläche in eine Tafel verwandeln kann. Damit kann eine Lehrperson praktisch überall ein Klassenzimmer einrichten und während mindestens drei Monaten rund 40 Schüler/-innen unterrichten. 

© UNICEF/UN0298242/

Im Jahr 2000 beschliessen die Vereinten Nationen mit den acht Millenniumsentwicklungszielen einen Katalog verpflichtender Zielsetzungen für alle Mitgliedstaaten: Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz werden als wichtigste Ziele bestätigt. Diese sind für die Entwicklung und das Überleben von Kindern zentral. Denn auch zu Beginn des neuen Jahrhunderts wachsen vor allem in Afrika und in Südasien Millionen Kinder in extremer Armut, ohne Gesundheitsversorgung und Schulbildung auf.

In Ergänzung zur UN-Kinderrechtskonvention treten zwei Übereinkommen - sogenannte Fakultativprotokolle - in Kraft: Das erste betrifft die Beteiligung von Kindern in bewaffneten Konflikten. Es verpflichtet die Vertragsstaaten, Massnahmen gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten zu ergreifen. Das zweite Protokoll betrifft den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und Kinderpornografie. Es ergänzt namentlich Artikel 34 & 36 der Kinderrechtskonvention. Die Schweiz hat beide Fakultativprotokolle ratifiziert.

Am 26. Dezember 2004 löst ein schweres Erdbeben im Indischen Ozean einen verheerenden Tsunami aus, dem über 200 000 Menschen zum Opfer fallen. UNICEF leistet umfassende Not- und Wiederaufbauhilfe in einer der grössten Hilfsaktionen seiner Geschichte. 

© UNICEF/UNI41160/Noorani
Hier stand einst das Zuhause von Hasina, 11. Es wurde vollständig zerstört, als der Tsunami ihr Dorf in Sri Lanka überschwemmte.

UNICEF startet die Kampagne «Unite for Children, Unite against AIDS» (Gemeinsam für Kinder, gemeinsam gegen AIDS), um Ressourcen zu mobilisieren und Massnahmen für Kinder zu beschleunigen, die durch HIV und AIDS gefährdet sind. 

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, schwer akut mangelernährte Kinder erfolgreich zu behandeln, entwickelt UNICEF zusammen mit der WHO die Erdnusspaste Plumpy Nut. Eine siebenwöchige Behandlung, die oft genug ist, um ein Kind vom verhungerten Zustand in einen stabilen Zustand zu bringen.

© UNICEF/UNI262600/Suarez Argueta
  • In Haiti sterben bei einem Erdbeben der Stärke 7 fast 160 000 Menschen und mehr als 1 Million Menschen werden aus ihren Häusern vertrieben. UNICEF ist vor Ort und leistet Nothilfe. 
     
© UNICEF/UNI78698/LeMoyne
Auch Wochen nach dem Erdbeben schlafen viele Menschen noch auf der Strasse - aus Angst vor Nachbeben oder weil sie kein Zuhause mehr haben.
  • Die Umwälzungen durch den Arabischen Frühling und die daraus resultierende Krise in Syrien stellen UNICEF vor noch nie dagewesene Herausforderungen.

Ein drittes Fakultativprotokoll, das 2011 angenommen wird und 2014 in Kraft treten wird, ermöglicht es Kindern, Beschwerden über Verletzungen direkt beim Ausschuss für die Rechte des Kindes vorzubringen.

  • UNICEF bringt die erste Version von RapidPro auf den Markt - eine Open-Source-Plattform für den Austausch von Echtzeitdaten über Plattformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Jugendengagement hinweg.
  • Am 11. Februar 2014 feiert Indien - wo es einst 200 000 lähmende Poliofälle pro Jahr gab - sechs Jahre ohne einen Fall von Polio-Wildvirus. Ein Meilenstein in UNICEFs globaler Immunisierungskampagne gegen das wilde Poliovirus.
© UNICEF/UNI175912/Singh
Ein Neugeborenes wird in einem indischen Gesundheitszentrum geimpft.
  • Mobile Technologie macht die Verteilung von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien schneller und präziser. Besonders wichtig wird dies während der Ebola-Krise in Westafrika.
  • Am 25. September verabschieden die Staats- und Regierungschefs der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs). Im Zentrum stehen 17 Ziele, mit denen die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung vorangebracht werden soll. Mehr als 100 Mitgliedstaaten haben ihr Engagement für Kinderrechte im Rahmen der Umsetzung der SDGs erneuert. Mehr dazu hier.

UNICEF setzt sich für die Rechte, die Würde und den Schutz von Kindern auf der Flucht ein, da die globale Migranten- und Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellose Ausmasse erreicht hat.

© UNICEF/UN0185401/Sanadiki
Im März 2018 fliehen Tausende Zivilisten nach Kämpfen aus Ost-Ghuta, Syrien.

30 Jahre sind seit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention vergangen. UNICEF nutzt das Jubiläum für einen Rück- und Ausblick.

  • Kindersterblichkeitsrate: Die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist in den letzten drei Jahrzehnten um etwa 60 Prozent gesunken, wobei jede Region einen Rückgang von mehr als 40 Prozent verzeichnet.
  • Bildung (Zugang, Geschlechtergleichheit, & Qualität): 1990 waren fast 20 Prozent der Kinder im Grundschulalter nicht in der Schule; seit 2019 liegt dieses Verhältnis weltweit unter 10 Prozent. Die Ungleichbehandlung von Mädchen und Buben beim Zugang zur Grundschulbildung ist in den meisten Ländern weitgehend verschwunden, mit einigen Ausnahmen in Afrika, im Nahen Osten und in Südasien. Seit 2007 stagniert jedoch die Zahl der Kinder, die keine Primarstufe besuchen. Dies liegt unter anderem am weltweit raschen Wachstum der Kinderpopulation - insbesondere in Afrika. Auch die Qualität der Schulbildung wird in Frage gestellt, denn eine bemerkenswert hohe Zahl an Kindern kann trotz Schulbildung nicht die nötigen Lernergebnisse erzielen.
  • Kinderschutz: Im Jahr 1988, bevor die Kinderrechtskonvention in Kraft trat, hatten nur drei Länder die körperliche Züchtigung in allen Bereichen verboten. Heute sind es 58 - ein Zeichen für enorme Fortschritte an der gesetzgeberischen Front. Auch Kinderheirat ist weltweit im Rückgang, jedoch haben viele Länder keine oder nur geringe Fortschritte gemacht. 

Afrika wird am 24. August 2020 als frei von der wilden Polio erklärt. Einzig in Afghanistan und Pakistan bleiben wilde Polio endemisch.


© UNICEF/UNI313299/Matas

Wo stehen wir heute - wo wollen wir hin?

Die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern hat sich seit 1946 weltweit deutlich verbessert - auch dank der Arbeit von UNICEF. Dieser Fortschritt wäre ohne die Unterstützung unserer Partner, Spender und Mitarbeitenden auf der ganzen Welt sowie dem Engagement der Kinder und Jugendlichen selbst nicht möglich gewesen. Aber wir stehen immer noch vor grossen Herausforderungen.

75 Jahre nach der Gründung von UNICEF sind heute mehr Kinder als je zuvor auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die zunehmende Anzahl an bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen, sowie die Covid-19-Pandemie verschlimmern die Not von Millionen Kindern weltweit um ein Vielfaches. Dies hat zu einer Krise der Kinderrechte geführt, die die Gesundheit und das Wohlergehen von Mädchen und Buben bedroht.  Doch UNICEF half den Kindern dieser Welt bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine. Wir haben schon einmal eine grosse globale Prüfung überstanden. Wir können es wieder tun! 

Herausforderungen ab 2021

Humanitäre Krisen und Naturkatastrophen

  • Immer mehr Kinder weltweit leiden an Mangelernährung. Allein in der Sahelzone leiden 2,4 Millionen Menschen an akutem Hunger.
  • Der Krieg in Syrien jährt sich im Frühjahr 2021 zum zehnten Mal, der Konflikt im Jemen zum sechsten Mal. 17 Millionen Kinder sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. In Äthiopiens Tigray Region benötigen 2,8 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.
  • In Mosambik, in der Provinz Cabo Delgado, wurden rund 191'000 Kinder vertrieben, einige als Kindersoldaten rekrutiert, entführt oder gar ermordet. Sie sind dringend auf Hilfe angewiesen.
  • Über 2,5 Millionen Kinder sind im Nahen Osten auf der Flucht.
  • Die Krisen in Afghanistan, Burkina Faso, dem Südsudan, der Ukraine, in Bangladesch, Libyen, Venezuela und der Demokratischen Republik Kongo haben sich mit der Covid-19-Pandemie verschlimmert. Diese Krisen drohen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verschwinden.
  • Die Zahl klimabedingter Katastrophen hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Dieser Negativtrend wird sich weiter zuspitzen.

Hohe Säuglingssterblichkeitsraten

Trotz einer weltweit sinkenden Säuglingssterblichkeit gibt es nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen Regionen und Ländern. Ein Kind, das in Afrika geboren wurde, hat eine zehnmal höhere Wahrscheinlichkeit im ersten Monat zu sterben als ein Kind, das in einem Land mit hohem Einkommen geboren wurde. 

Bildungskrise

Nach wie vor bleibt jedem fünften Kind im Schulalter der Zugang zu Bildung verwehrt. Über die Hälfte der Schulkinder (58%) kann am Ende der Grundschule nicht richtig lesen oder schreiben. 1,6 Milliarden Kinder in 190 Ländern sind oder waren aufgrund der Covid-19-Pandemie von den Schulschliessungen betroffen. Ungefähr 463 Millionen Kinder waren von digitalem Fernlernunterricht ausgeschlossen. Schätzungsweise 23,8 Millionen Kindern droht aufgrund der Pandemie der Schulabbruch. Bis 2030 werden ungefähr 420 Millionen Kinder ohne Schulbildung sein. 1,4 Milliarden Kinder im Schulalter (30%) werden nicht das nötige Grundwissen erwerben können. Davon sind 825 Millionen – knapp über die Hälfte – Kinder auf Sekundarstufe.

Rückgang an Immunisierungen

Die Welt ist der Ausrottung der Kinderlähmung näher denn je, und die Zahl der Todesfälle durch Masern - einer der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren - ist zwischen 2000 und 2018 weltweit um 73 Prozent zurückgegangen, wodurch schätzungsweise 23,2 Millionen Kinderleben gerettet wurden. Das Auftreten von Covid-19 droht jedoch, diesen Fortschritt rückgängig zu machen, indem der Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen stark eingeschränkt wird.

Zunahme von Kinderehen

Covid-19 wird die Bemühungen zur Beendigung der Kinderheirat stark gefährden und möglicherweise dazu führen, dass zwischen 2020 und 2030 weitere 13 Millionen Kinderehen stattfinden, die andernfalls hätten verhindert werden können. Die toxische Kombination des  Lockdowns und des damit entfallenden regulären Schulunterrichts, sowie die steigende Arbeitslosigkeit der Eltern wird viele Kinder - vor allem aber Mädchen - zu Kinderehen drängen. Verzweifelte Eltern erhoffen sich dadurch eine finanzielle und soziale Absicherung.

Ausblick

UNICEF macht sich stark für eine Welt, in der jedes Kind - egal welcher Hautfarbe, welcher Herkunft oder ob mit Behinderungen - eine faire Chance bekommt. Wir setzen alles daran, den Kindern dieser Welt eine glänzende Zukunft zu bieten. 

Im Jahr 2021 will UNICEF 

  • 149 Millionen Frauen und Mädchen und 7,4 Millionen Kinder mit Behinderung mit inklusiven Programmen erreichen;
  • 6,3 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung behandeln;
  • 27,4 Millionen Kinder gegen Masern impfen;
  • 45 Millionen Menschen mit sauberem Wasser versorgen;
  • 19,2 Millionen Kindern psychosoziale Hilfe anbieten;
  • 17 Millionen Kinder und junge Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt schützen; 
  • 93 Millionen Kindern Zugang zu formellen und informellen Bildungsangeboten eröffnen;
  • 9,6 Millionen bedürftige Familien finanziell unterstützen.