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Somalia: Immer weniger Kinder erhalten Hilfe

UNICEF-Botschafter Kurt Aeschbacher und Geschäftsleiterin Bettina Junker sind von einer mehrtägigen Reise nach Somalia zurückgekehrt. Die Krise im Land verschärft sich weiter. Wegen fehlender Mittel erreichen Hilfsorganisationen immer weniger Kinder rechtzeitig.

Botschafterreise Somalia 2026
UNICEF-Botschafter Kurt Aeschbacher und Geschäftsleiterin Bettina Junker an der Küste von Mogadischu während ihrer mehrtägigen Programmreise nach Somalia.

«Die Lage ist ernst. Viele Familien haben durch Dürre, Vertreibung und Konflikt ihre Lebensgrundlagen verloren und kaum noch Reserven. Besonders eindrücklich war für mich zu sehen, wie viele Kinder bereits schwer mangelernährt sind», sagt Bettina Junker, Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz und Liechtenstein.

Während ihrer Reise besuchten Kurt Aeschbacher und Bettina Junker unter anderem eine Vertriebenensiedlung, ein Spital mit schwer mangelernährten Kindern, eine Schule sowie ein Zentrum, das Kinder unterstützt, die von bewaffneten Gruppen rekrutiert worden waren.
In den kommenden Monaten werden rund 5,4 Millionen Menschen in Somalia von einer Ernährungskrise oder einer noch schwereren Situation betroffen sein. Fast zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren benötigen innerhalb eines Jahres voraussichtlich eine Behandlung wegen akuter Mangelernährung, rund 433 000 von ihnen wegen der schweren akuten Mangelernährung, der gefährlichsten Form. Mehr als drei Millionen Menschen leben zudem als Binnenvertriebene im eigenen Land. Viele mussten ihre Heimat wegen Dürre, Überschwemmungen oder bewaffneter Konflikte verlassen und gehören zu den verletzlichsten Bevölkerungsgruppen Somalias.

Mehrere Krisen verschärfen sich gegenseitig

Somalia leidet noch immer unter den Folgen einer schweren Dürre. Ausgebliebene Regenfälle und lange Trockenperioden haben Wasserquellen, Viehbestände und Lebensgrundlagen vieler Familien schwer getroffen. Gleichzeitig hat die Regenzeit bereits begonnen. Für die Monate Oktober bis Dezember werden starke Regenfälle und Überschwemmungen im Zusammenhang mit El Niño erwartet. Sie könnten Ernten und Vieh vernichten, weitere Familien vertreiben und den Zugang zu humanitärer Hilfe erschweren.

Fehlende Mittel zwingen zur Priorisierung

Hinzu kommt der starke Rückgang der internationalen humanitären Finanzierung für Somalia. UNICEF geht von einem Rückgang um 40 bis 60 Prozent aus. Rund 200 Gesundheits- und Ernährungsangebote mussten bereits schliessen. Hilfsorganisationen müssen ihre begrenzten Mittel deshalb zunehmend auf jene Kinder konzentrieren, deren Leben unmittelbar gefährdet ist.

Besonders gravierend wirken sich die Finanzierungslücken bei der Prävention aus. Weil präventive Angebote wegfallen, können Fachkräfte Mangelernährung bei Kindern teilweise erst später erkennen. Dadurch kommen mehr Kinder mit schweren medizinischen Komplikationen in die Behandlung. Schwere akute Mangelernährung ist behandelbar. Bei fachgerechter Behandlung liegt die Genesungsrate bei über 90 Prozent.

«Das ist ein Teufelskreis, den wir durchbrechen könnten», sagt Bettina Junker. «Je früher wir ein mangelernährtes Kind erreichen, desto besser können wir verhindern, dass sein Zustand lebensbedrohlich wird. Fallen präventive Angebote weg, erreichen wir Kinder oft erst, wenn sie bereits schwer krank sind.»

UNICEF ruft deshalb dazu auf, lebensrettende Angebote in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Wasser aufrechtzuerhalten und die Prävention wieder zu stärken. Hilfsgüter müssen zudem rechtzeitig in gefährdete Gebiete gelangen, bevor Überschwemmungen wichtige Verkehrswege unpassierbar machen.