Zwei Jahre lang war der Alltag der Kinder in Gaza von Bomben, Flucht und Angst geprägt. Im Rahmen der UNICEF Initiative «The Gaza We Want» zeigen 11 000 Mädchen und Buben in Bildern und Gedichten, wie sie sich Gaza in Zukunft vorstellen. Die Bilder überraschen und stimmen hoffnungsvoll.
«Das Gaza, das ich will», beginnt das Gedicht der 13-jährigen Malak aus Khan Yunis, «ist kein Zelt, das gegen den Wind gedrückt wird. [...] Ich will Schulaufgaben schreiben, nicht die Namen der Verstorbenen. Sterne am Himmel zählen, nicht Flugzeuge. Brot backen mit dem Geruch von Thymian, nicht Rauch. Das Gaza, das ich will, lebt.»
Zwei Jahre Krieg haben in Gaza Verwüstung hinterlassen: 80 Prozent der Wohnhäuser, Schulen, Spielplätze und Spitäler liegen in Trümmern. Neun von zehn Kindern wurden vertrieben, die meisten mehrmals. Sie haben ihre Eltern, Geschwister und Freunde verloren. Über 90 Prozent der Kinder leiden unter Traumata und ständiger Angst. Ihre Gegenwart liegt in Trümmern. Was bedeutet das für ihre Zukunft?
Grüne Wiesen und belebte Pärke statt Ruinen
Seit Oktober 2025 gilt offiziell Waffenruhe. Gaza wird nach und nach wieder aufgebaut. Mit der «The Gaza We Want»-Initiative hat UNICEF Kindern und Jugendlichen aus allen fünf Gouvernements von Gaza eine Stimme und aktive Rolle in den Diskussionen um den Wiederaufbau und das künftige Leben in Gaza verliehen. Insgesamt 1603 Kinder nahmen an einer umfassenden Befragung mit Fachpersonen in traumasensiblen Räumen teil. Über 11 000 weitere Kinder zwischen 5 und 18 Jahren drückten ihre Wünsche durch Malen, Gedichte und Knetmodelle aus.
Die Bilder überraschen: Trotz der weitreichenden Zerstörung und der traumatischen Erfahrungen haben die Kinder keine Ruinen gezeichnet, sondern grüne Wiesen, blühende Bäume, blaues Meer, farbenfrohe Häuser und belebte Pärke. Trotz allem, was sie erlebt haben, können sie sich eine Zukunft in Gaza vorstellen.
Ich wünschte, unsere Nachbarschaft wäre voll von Bäumen und Schulen, nicht Zerstörung.
Hinter den kreativen Ergebnissen verbergen sich starke Emotionen, darunter ein tiefer Verlust, gepaart mit dem klaren und beständigen Wunsch nach Würde, einem Gefühl von Normalität und Hoffnung für die Zukunft.
«Das Gaza von früher, aber besser»
Für die Kinder steht nicht nur die Infrastruktur im Vordergrund, sondern die Wiederherstellung ihrer Kindheit. Ihre obersten Prioritäten sind:
- Wohnraum (97,3 %)
- Bildung (94,2 %)
- Sicherheit (91,8 %)
- Gesundheitsversorgung (91,8 %)
Besonders zum Ausdruck gebracht haben sie, dass sie sich Sicherheit und Beständigkeit wünschen und keine Zelte und temporäre Lösungen mehr, wie sie sie während der mehrfachen Vertreibung oftmals erlebt haben.
Sie wünschen sich Schulen, Spitäler mit ausreichend Ärztinnen und Ärzten und genügend Medikamenten, saubere Pärke, Spielplätze und Strände. Und vor allem: Dass sie dort überall in Sicherheit sind und nicht in dauernder Angst vor einer Bombe leben müssen. Sie stellen sich ihre Nachbarschaften wie lebendige Teppiche vor, auf denen Familien zusammenkommen und Menschen sicher in der Sonne sitzen.
Kunst hilft, das Erlebte zu verarbeiten
Kreative Arbeit ist mehr als nur Beschäftigung; sie ist ein entscheidender Teil der Heilung. Malen hilft Kindern, unsichtbare innere Wunden sichtbar zu machen und traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Durch das Erschaffen farbenfroher Bilder entwickeln die Kinder neue Hoffnung und eine positive Perspektive auf die Zukunft.
Kinder zeigen eine aussergewöhnliche Fähigkeit, Schmerz in kreative Visionen zu verwandeln, sich einen Wiederaufbau aus der Asche vorzustellen und sich eine Zukunft auszumalen, die ihr Recht auf Kindheit, Bildung und ein würdevolles Leben achtet.
Kinder haben das Recht auf Bildung, Gesundheit, Schutz vor Gewalt, auf Spiel und auf die Erholung von Traumata. Diese Rechte sind nicht optional, sondern stellen Verpflichtungen dar. Die Entscheidungen zum Wiederaufbau werden die Zukunft der Kinder für die nächsten Jahrzehnte formen. Sie einzubeziehen bedeutet, die Kinderrechte zu wahren. Beim Wiederaufbau von Gaza geht es nicht nur um die Wiederherstellung der Infrastruktur; es geht darum, die Kindheit selbst wiederherzustellen, den Heilungsprozess zu unterstützen und das Recht jedes Kindes zu wahren, in Sicherheit, Würde und dauerhaftem Frieden aufzuwachsen.
Die Initiative «The Gaza We Want» wurde ins Leben gerufen, um direkt von den Kindern im Gazastreifen über ihre Visionen für die Zukunft zu hören. In einem Moment, in dem Erholung und Wiederaufbau aktiv diskutiert werden, ist UNICEF davon überzeugt, dass die Stimmen der Kinder gehört und in diesen Gesprächen sinnvoll berücksichtigt werden müssen.